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Get Well Soon – The Scarlet Beast O‘ Seven Heads

Get Well Soon - The Scarlet Beast O' Seven Heads

Es kommt ziemlich häufig vor, dass wir die „Waschzettel“ genannten Promoschreiben zu Alben nicht eines Blickes würdigen und uns unvoreingenommen auf ein Album einlassen. Nicht so bei Get Well Soon, hier sind die Schreiben meist genauso liebevoll und detailreich, wie die Alben des Mannheimers Konstantin Gropper. Das trifft bei seinem dritten Album „The Scarlet Beast O‘ Seven Heads“ wieder genauso zu, wie bei den beiden Vorgängern „Vexations“ und dem Debüt „Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon“. Von einer Sommerplatte kann man da lesen, einem Popepos, das Weltuntergangsstimmung, Italo-Western und Dolce Vita in einem Album vereinen möchte. All das in einem Album denkt man und schüttelt erst einmal ungläubig den Kopf. Wobei einen nach seinem brillant imposanten Debüt „Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon“, das Zukunftsangst, Nihilismus mit voweihnachtlicher Stimmung vermenge und „Vexations“, seinem Konzept-Album über den Stoizismus, nichts mehr wundern sollte. Da überrascht es dann wohl auch nicht, dass man auf „The Scarlet Beast O‘ Seven Heads“ all das und noch viel mehr dessen geboten bekommt, was das Presseschreiben so vollmundig verspricht.

Los geht es auf „The Scarlet Beast O‘ Seven Heads“ wie schon auf den Vorgängern mit einem Intro. Das hört hier ähnlich wie beim Debüt auf den Namen „Prologue“ (beim Debüt hieß es noch „Prelude“) und ähnlich wie bei den Vorgängern wäre ein Weiterskippen ein echtes Verbrechen. Das Stück startet herrlich melancholisch und basiert zunächst nur auf Konstantin Gropper’s Stimme und sanft gezupften Gitarren. Hinzu kommt ein sanfter Chor und später einsetzende Streicher. Man kann hier zeitgleich das Gefühl von Lagerfeuerromantik und einem Abgesang in den letzten Minuten des Weltuntergangs gewinnen. Passend dazu der zweite Titel „Let Me Check My Mayan Calendar“, der auf ironische Weise den Weltuntergangshype 2012 verarbeitet. Begleitet von leichter Orchesterinstrumentierung wird der Welt in knapp zwei Minuten Instrumental ein versöhnlicher Abschied beschert. Doch Halt!, wir sind ja erst am Anfang des Albums. So geht der Fiebertraum aus Weltuntergang und Spaghetti-Western weiter. Zunächst geht es durch die letzten Tage von Rom, die mit einer Mischung aus Ennio Morricone Sounds und den ausufernden Orchester-Sound Gropper’s instrumentiert werden. Ein Cembalo (leider aus dem Computer), stampfende Drums und ein Frauenchor setzten die Glanzpunkte des Stücks.

Wunderbar leichtfüßig präsentiert sich dann zunächst die aktuelle Single „Roland, I Feel You“, bevor sie sich gegen Mitte in einen dieser typisch vertrackt bombastischen Get Well Soon Momente entwickelt, bei denen Gropper stimmlich und auch die Instrumentierung an eine Mischung aus David Bowie in seiner Glanzzeit und Pulp zur „This Is Hardcore Zeit erinnern. So geht es auch weiter, nämlich mit teils wahnwitzigen Ideen, die Gropper irgendwie in schillernden Pop-Momenten bündelt. Man merkt dem Album in jedem Moment an, dass Gropper und seine Truppe zu keiner Zeit versucht haben, irgendeiner Idee oder irgendwelchen Vorgaben gerecht zu werden, sondern ihren Ideen freien Lauf ließen. Mit einem Ergebnis, dass Konstantin Gropper dann auch am besten beschreibt: „Zu diesem Album kann das Millionärssöhnchen im Cabrio sein Baby-Doll durch die Berge um den Gardasee kutschieren, er kann aber auch im richtigen Moment die Medikamente absetzen und ab durch die Leitplanke“. Besser hätten wir es nicht sagen können und nehmen den Hut vor diesem schillernden Album, das einen in 54 Minuten durch einen stetigen Wechsel aus nasskalten Fieberträumen, heiße Sommernächte, Weltschmerz und wunderbare Euphorie schickt.

Interview zu Vexations // Facebook // Homepage // Myspace // Label

Foto auf Startseite: Ariane WhiteTapes (mehr hier)

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