Rezensionen

Get Well Soon – Love

Get Well Soon - Love

„Es ist passiert, deine Band ist im allgemeinen Konsens des Feuilleton angekommen“. Ein Gedanke, der wohl jedem Musikfan, der sich vielleicht etwas auf seinen elitären Musikgeschmack einbildet, mal durch den Kopf geht und der direkt innerlich Verhandlungen mit der Band verfasst, warum sie früher einmal besser war und sich inzwischen verkauft. Das ist natürlich alles Quatsch und betrifft nur sogenannte „Musikfans“, die von Spöttern gern auch als „Musiknazis“ bezeichnet werden. Aber eben jene „Musiknazis“ fühlen sich eventuelle mittlerweile bei Get Well Soon im Recht. Ebene diese Fans, die Get Well Soon schon eine Weile begleiten, sehen sich spätestens seit dem Release des dritten Albums „The Scarlet Beast O‘ Seven Heads“ im Recht, verkennen aber natürlich, dass das Werk viel zu vielschichtig und verquer für einen wirklichen, befürchteten, Mainstream-Durchbruch war.

Als die Band um Konstantin Gropper dann aber vor einer Weile mit den drei EPs „The Lufthansa Heist“ und „Henry – The Infinite Desire of Heinrich Zeppelin Alfred von Nullmeyer“ und „Greatest Hits“ ihren Abschied vom Indie-Label City Slang besiegelte, schien vielen klar, Get Well Soon werden nun Konsens.

Und ja, der Name Get Well Soon ist mittlerweile kein Geheimtipp mehr. Dafür war Konstantin Gropper als Produzent von Casper und Komponist für Serien und Filme viel zu umtriebig. Auch die Zusammenarbeit mit Jan Böhmermann für die Sendung Schulz & Böhmermann dürfte ihren Teil dazu beigetragen haben, dass man die Musik von Get Well Soon auch über das (Nicht-)Genre „Indie“ hinaus kennt. Hinzu kommt noch, dass Konstantin Gropper nach der eher zweifelhaften Berichterstattung über Xavier Naidoo in letzter Zeit dazu beiträgt, als Absolvent der Mannheimer Pop-Akademie, das positive Image dieser Institution zu erhalten. Bleibt trotz allem natürlich die Frage: Ist das schlimm? Die klare Antwort muss lauten: Natürlich nicht. Denn auch ein David Bowie genoss eine massenwirksame Bekanntheit. Seine Musik hat sich dennoch nicht an irgendwelche zeitgeistlichen Konventionen gehalten. Nun wollen wir Get Well Soon nicht mit David Bowie vergleichen, dennoch bietet sich dieser Vergleich an, denn auch für das vierte Album „Love“ haben sich Get Well Soon nicht an irgendwelche Erwartungen geklammert, die an sie gestellt wurden, sondern erstmals versucht, ihre Vision eines „Pop“-Albums umzusetzen.

Da „Pop“ ein großes Wort ist, haben die Musiker dann auch direkt ein großes Thema als Aufhänger genommen, nämlich die Liebe. Der Einfachheit halber heißt das Album dann auch „Love“. In der typisch eigentümlichen Bildsprache der Band zeigt das Cover dann jedoch ein paar Bären, die in einer Bergkulisse ein Reh erlegt haben. Liebevoll wird ein Bärenjunges herbeigerufen, um ebenfalls zu essen. Ebenfalls ein Akt der Liebe, aber ein ebenso befremdlicher, wie es vielleicht die Songs auf „Love“ für den sogenannten Mainstream sind. Denn, wir geben es zu, Get Well Soon sind mit „Love“ zugänglicher geworden und neigen dazu, Motive ein wenig zu überstrapazieren, von „chartstauglich“ sind die Songs dennoch ein ganzes Stück entfernt.

„Love“ ist ein Versuch, die ausgefeilten Arrangements von Get Well Soon einem größeren Publikum zu eröffnen. Die teilweise Dringlichkeit alter Hits ist dafür geblieben und entlädt sich in bittersüßen Stücken, wie „It’s Love“. Der deutliche Unterschied, hinsichtlich der Lyrics zeigt sich das Ensemble reduzierter. Was jedoch nicht heißt, dass Themen, wie Fatalismus und Existentialismus der Vergangenheit angehören würden. So singt nämlich Gropper am Ende des Stücks zum Thema Liebe „I’m a god damn fool, to rely on it / but I feed on it / no I god damn feast on it / and I’d rather die than let you live without it“. Ehrliche Worte, bei denen Verzweiflung, Wahnsinn und Ehrlichkeit nah beieinander stehen.

Das sorgt auch dafür, dass zum Beispiel das textlich schwache, aber musikalisch druckvolle, „Marienbad“, zu überzeugen weiß. In einem ähnlichen Spektrum bewegt sich „Love“ insgesamt. Auch gesanglich, denn neben der markant tiefen Gesangsart der Vorgänger, versucht sich Gropper, wie in der aktuellen Single „It’s A Catalogue“, auch in höheren Lagen. Das klingt ungewohnt und will nicht so richtig zünden. Das macht „Love“ keinesfalls zu einem schlechten Album. Vielmehr stellt es neben einer Herausforderung für den Mainstream erstmals auch eine Herausforderung an die alte Fanbasis, die nun damit klarkommen muss, dass sich die Band etwas geöffnet hat. Auch muss sie akzeptieren, dass die Öffnung der Band keinesfalls ein schlechtes Zeichen ist, denn insgesamt bietet „Love“ alle Stärken von Get Well Soon und auch wieder eine Reihe von Hits, an denen auch alte Fans problemlos gefallen finden dürften.

Get Well Soon auf Deutschland-Tour

01. März 2016, Bremen – Schlachthof
02. März 2016, Berlin – Huxleys
03. März 2016, Köln – Gloria
04. März 2016, Hamburg – Grünspan
05. März 2016, Leipzig – Täubchenthal
06. März 2016, Heidelberg – Halle 02
07. März 2016, Stuttgart – Im Wizemann
11. März 2016, München – Muffathalle

28. April 2016, Gera – Songtage@Comma
29. April 2016, Dortmund – Konzerthaus
30. April 2016, Frankfurt – Mousonturm


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