Rezensionen

frYars – Dark Young Hearts

Anfang 20 jährige Musiker, die sich elektronischer Musik widmen und unter anderem Depeche Mode als großen Einfluss sehen gibt es vermutlich wie Sand am Meer. Wie viele davon können allerdings Dave Gahan als Gast auf ihrem Debüt-Album vorweisen? Der junge Londoner Ben Garrett jedenfalls kann. Der Wind, der seine Person in England gemacht wird, wirft dann beinahe sogar die Frage auf, wer hier von wem profitiert hat. Seit Ben 2007 seine erste EP veröffentlichte sehen ihn NME und Co als legitimen Nachfolger von David Bowie und als das nächste Pop-Wunder seit Patrick Wolf, Jarvis Cocker und Simon Bookish. Dementsprechend rissen sich auch die Labels um den jungen Ben, der wollte aber nicht mit Labels, sondern finanzierte sein Projekt lieber über Bandstocks.

Ja genau, wie Patrick Wolf auch. Abgesehen vom Hype um seine Person und diesen Finanzierungsweg hat er allerdings wenig gemein mit dem Süd-Londoner. Viel mehr dafür mit den bereits erwähnten Simon Bookish und David Bowie. Denn wie Simon Bookish singt Ben Garrett stark akzentuiert und mit dramatischem Gestus. Die Instrumentierung dazu ist stark elektronisch geprägt und immer ein wenig schräg. So als hätte man die Pet Shop Boys genommen und sie von Monty Python Mitglied Terry Gilliam noch einmal remixen lassen. Das klingt nicht nur spannend, das ist es auch, denn bei aller Liebe zu den 80ern und der Retrogewandtheit des Sounds verliert sich Garrett nicht im einfachen Nachspielen. „Dark Young Hearts“ ist also so etwas wie eine zeitgemäße Version des 80er Synthie-Pop, mit jeder Menge Verspieltheiten und versponnener Ideen. Der charmante britische Akzent von Garrett verleiht dem Ganzen dann noch eine zusätzliche, beinahe humorige Note. Das erleichtert dann auch den Zugang zu den teilweise abstrakten und auf den ersten Blick verwinkelten Songstrukturen und „Dark Young Hearts“ zu einer Platte, die mit jedem Hören wächst und dessen Geschichten man gerne immer wieder hört, genau wie einen Sketch aus dem Flying Circus.

Rating: ★★★★½
Fryars

Myspace // Label

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