Rezensionen

Frightened Rabbit – The Winter Of Mixed Drinks

2003 als Soloprojekt von Scott Hutchison ins Leben gerufen sind Frightened Rabbit in den letzten Jahren stetig um neue Mitglieder gewachsen, zuerst stieß Scott’s Bruder Grant zur Band, in der Folge noch ein Freund und so weiter. So bringen es Frightened Rabbit inzwischen auf fünf Mitglieder. Mit steigender Mitgliederzahl wuchs auch der Erfolg der Band aus Selkirk, wobei diese beiden Faktoren sich wohl nicht gegenseitig beeinflusst haben, zumal gerade das Anwachsen auf ein Quintett im dritten Album „The Winter Of Mixed Drinks“ begründet liegt, das ist nämlich größer als Frightened Rabbit je waren, da muss die Band mitwachsen. Seit 2006 das Debüt „Sing the Greys“ erschien unterlagen die schottischen Kaninchen diesem Wachstumsschub. Bereits da war auch erkennbar, hinter dieser rauen, dumpfen LoFi-Sounds stecken große Songs, wie „Music Now“, oder „The Greys“, um nur zwei zu nennen. Warum Frightened Rabbit damit ausgerechnet in Amerika einen so großen Anklang fanden, wird wohl ein Mysterium der aktuellen Entwicklung der Musikszene bleiben, jedenfalls werden die Schotten seitdem auf jeder Amerika-Tour mit offenen Armen empfangen.

So hatten sie dann auch für ihr zweites Album „The Midnight Organ Fight“ das Vergnügen, The National Produzent Peter Katis an die Seite gestellt zu bekommen. Der verpasste dem Bandsound dann auch endlich so etwas wie eine Produktion, so dass Album Nummer 2 nach mehr als nur Demo-Aufnahmen klang. Das in Verbindung mit dem großen, vielschichtigen Sound von Frightened Rabbit sorgte dafür, dass sich der Ruf der Band so langsam vom Geheimtipp zu Szenehelden wandelte und „The Midnight Organ Fight“ dank Songs, wie „Fast Blood“, oder „Modern Leper“ in jede gut sortierte Liste der besten Alben des letzten Jahrzehnts gehört. Verfolgt man diese Entwicklung weiter, landet man beim logischen Schritt, dass nach einem starken Debüt und einem großen zweiten Album es eigentlich nur noch größer werden kann. Das zeigen zum einen die Hallen, die nun für die nächste Amerika- und England-Tour gebucht werden, aber vor allem auch die steigende Presse- und Szene-Resonanz. Für die Arbeiten am dritten Album zog sich Frontmann Scott Hutchison zunächst zum Songwriting in die Isolation zurück, nämlich in das schottische Küstenstädtchen Crail, Fife. Dort feilte er, abgenabelt vom Trubel um seine Band, am Sound für „The Winter Of Mixed Drinks“ und schuf Songs, die noch ein Stückchen größer sein sollten, als alles, was Frightened Rabbit bisher ausmachte.

Das hört man schon dem Opener „Things“ an, zum Hall einer verzerrten Gitarren singt Scott mit seiner markanten Stimme zunächst ruhig und dann immer eindringlicher davon, sich zu isolieren und zurück zu ziehen. Das ist auch das Thema des Albums, wie er in einem Interview erklärte: „the theme I’m going for is pushing yourself out to the edge of things and being alone, feeling lost and not knowing where you are, which is how I’ve felt recently“. Es geht also nicht mehr um die gescheiterte Liebe, die noch auf „The Midnight Organ Fight“ allgegenwärtig war. Dass man aber auch in der Isolation manchen Stürmen trotzen muss zeigen die Feedback-Gewitter, die sich gegen Ende des Songs auftürmen und auch andere Stücke, wie etwa das großartige „Skip The Youth“ einleiten. Das erwähnte Grundthema wird mit der ersten Single „Swim Until You Can’t See Land“ aufgegriffen, die gut gelaunte, warme Melodie ist dabei beinahe trügerisch, der Protagonist des Songs hat nämlich genug von der Welt um sich herum und macht sich auf zur Nordsee, um so weit raus zu schwimmen, dass ihn niemand mehr stören kann. Ob das gut geht bleibt zwar offen, so gesellig, wie der Song selbst ist dieser Plan allerdings nun einmal nicht. Das ändert aber nichts an den absoluten Hit-Qualitäten des Stücks. Eine starke Gitarrenmelodie, mitreißender Gesang mit einem Refrain zum laut mitsingen und stimmige Strings machen dieses Stück sofort zu einem guten Freund. Dieses warme Gefühl willkommen zu sein zieht sich auch durch das gesamte Album, alle Melodien ruhen auf einem warmen Klangteppich, der beim Hören stets ein gutes Gefühl gibt, egal, wie düster der Rest der Komposition, oder die Texte sind. Das hilft beim ersten Durchgang sehr dabei, die Orientierung in den stellenweise vielen übereinander geschichteten Sounds zu behalten. Über diese vermitteln Frightened Rabbit die gesamte Palette an Emotionen von berührenden Gänsehautmomenten („The Wrestle“) bis hin zu Heiterkeitsausbrüchen zum in den Armen liegen („Nothing Like You“). Ganz Frightened Rabbit typisch erschließen sich die wenigsten Songs hier beim ersten Hören, sondern laden zum entdecken ein und wachsen wieder mit jedem Durchgang, bis sie irgendwann zu ähnlich guten Freunden werden, wie die Songs von „Sing The Greys“ und „The Midnight Organ Fight“.

Rating: ★★★★★
Frightened Rabbit
„The Winter Of Mixed Drinks“ gibt es bei Fat Cat im Stream

Frightened Rabbit auf Tour

7. April, Berlin, Magnet
9. April, München, Atomic Café
10. April, Köln, Luxor

Karten gibt es ab 12 EUR unter der bundesweiten Tickethotline 01805 – 570 000 (14ct/min, Mobilfunkpreise können abweichen) bei Eventim, oder auch an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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