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Frightened Rabbit – Painting Of A Panic Attack

Frightened Rabbit - Painting Of A Panic Attack

Auch, wenn man es sich anders gewünscht hätte, als Frightened Rabbit nach ihrem dritten Album „The Winter Of Mixed Drinks“ zu einem Major-Label wechselten, hörte man auf dem folgenden Album „Pedestrian Verse“ doch eine Öffnung des Sounds der Schotten. Diese schroffe, kantige Note, die einem stürmisch um die Ohren gehauen wurde, war ein wenig geglättet, der Pop-Appeal erhöht, die Leidenschaft, und vor allem Leidensbereitschaft, in den Texten aber nach wie vor erhalten. Deshalb war der Wechsel mehr als zu verkraften und man konnte ihn abheften als „eine neue Seite des Frightened Rabbit Sounds kennen lernen“. Die folgende Zeit war vor allem für Frontmann Scott Hutchison anstrengend und auch ermüdend, weshalb er sich nach seinem Umzug in die USA eine kleine Auszeit von Frightened Rabbit nahm und ein Album als Owl John veröffentlichte, das er ebenso betitelte. Ein Album, auf dem der Schotte mit dem anstrengenden Leben auf Tour und der Eingewöhnung in die Lebenskultur in Los Angeles haderte. Darüber schrieben wir damals: „Herausgekommen sind zehn Songs, die wohl die persönlichste Seite von Scott seit ‚Midnight Organ Fight‘ zeigen und weniger direkt und euphorisch klingen, als Frightened Rabbit Songs“.

Einige Zeit nach dem Release, der eine Art Selbsttherapie für Scott darstellte, waren Frightened Rabbit zumindest live schon wieder zurück. 2015 begannen die Musiker dann auch die gemeinsame Arbeit am fünften Album der Band. Gemeinsame Zeit war dabei allerdings rar. Große Teile der Songs entstanden in regem E-Mail-Kontakt und wurden dann in einem kurzen Studioaufenthalt unter der Regie von Aaron Dessner von The National aufgenommen. Nicht unbedingt der Name, der für schroffen, rumpelnd kantigen Sound steht. Das zeigte seine Arbeit für Local Natives und vor allem den letzten The National Alben „High Violet“ und „Trouble Will Finde Me“. Diese zeichneten sich durch epischen Klang und elegante Melodien aus, die dem Bariton von Matt Berninger gut zu Gesicht standen und der Band zu einem Grammy verhalfen.

Für den Erfolg also eventuell eine gute Wahl, für die Rückkehr zum gewohnten Sound von Frightened Rabbit eher nicht. So zeigt „Painting Of A Panic Attack“ passend zur Tatsache, dass die Musiker auf zwei Kontinenten leben, dann auch eine Band zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite ist der von Berufswegen leidende Schotte, der Themen, wie Liebe, Tod, Entfremdung und Hass in düster ausgeschmückte Bilder hüllt, die auch vor blutigen Metaphern keinen Halt machen. Auf der anderen Seite steht eine Band, die den knurrigen, häufig anschaulich formulierten Texten, einen teils luftigen, weitläufigen Sound entgegen setzt. Das nimmt Frightened Rabbit ein wenig die Direktheit und Dringlichkeit der frühen Alben und ersetzt diese Faktoren durch größere Offenheit und einen höheren Pop-Appeal.

Die Kompositionen sind nach wie vor extrem ausgefeilt, ufern auch gern mal aus und sind ausgeschmückt mit vielen kleinen Spielereien. Bestes Beispiel ist der berührende Opener „Death Dream“, der sich zu einem Gänsehaut-erzeugenden Epos auftürmt, aber leider mehr verspricht, als das Album einhält. „Get Out“ bietet mit donnernder Melodie und erhöhtem Leidensdruck ebenfalls erhöhtes Hitpotential und dürfte schnell zu einem Live-Klassiker werden. Im Anschluss nimmt das Album jedoch eine Wendung zu etwas mehr Milde und größerem Hang zu hymnischeren Noten. Die Falten, die sich Scott in der Vergangenheit in seine Stimmbänder geknurrt hat, sind nun glatt gebügelt und die Stücke gewinnen einen insgesamt versöhnlicheren Charakter, als in der Vergangenheit. Das alles macht „Painting Of A Panic Attack“ immer noch zu einem überdurchschnittlich guten Album, hinterlässt einen dennoch ein wenig enttäuscht, da man von Frightened Rabbit aus der Vergangenheit immer noch ein Quantum mehr erwarten konnte.. diese kleine, nicht greifbare Besonderheit, die ein Album nicht nur überdurchschnittlich, sondern im Zweifel zu einem Klassiker machen kann.


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