Rezensionen

Friday Classics: Whiskeytown – Pneumonia

Die Zeit rast an uns vorbei, monatlich erscheinen viele Alben, die sich anschicken unsere Musiksammlung zu bereichern. Die wenigsten jedoch bleiben für die Ewigkeit, die jedoch die es doch schaffen, wollen nun von uns in regelmäßiger Folge in unserer kleinen Reihe „Friday Classics“ immer mal wieder gewürdigt werden. Platten, die uns lange begleiten und einfach auch einmal eine Würdigung hier erfahren sollten, Lieblingsalben eben. Los geht es mit einem Spätzünder gleich in doppelter Hinsicht, aber lest selbst:

Schon bevor Ryan Adams seine Karriere als Solokünstler begann, war er bereits in einer Band aktiv. Zusammen mit Sängerin und Geigerin Caitlin Cary war er Kopf der Alt.Country Band Whiskeytown. 1994, gerade als Uncle Tupelo am Ende waren und Jeff Tweedy Wilco ins Leben rief, gründeten Adams und Cary beeinflusst von unter anderem auch Uncle Tupelo und The Jayhawks in Raleigh, North Carolina ihre eigene Band. Ryan Adams war da gerade einmal zarte 20 Jahre alt, Caitlin Cary auch nur sechs Jahre älter. So gingen beide jungfräulich an ein Band-Projekt, veröffentlichten aber bereits zwei Jahre nach Gründung ihr umjubeltes Debüt „Faithless Street“, mit dem Whiskeytown zu einer der Größen des Alt.Country wurden. Auch Geffen Records, die am Tod des Grunge zu knabbern hatten, bekamen Wind von der Band aus North Carolina und nahm sie sogleich für das zweite Album „Stranger’s Almanac“ unter Vertrag. Das enthielt neben einigen neuen Songs auch eine Reihe der Hits des Debüts. Gerade Ryan Adams schaffte es durch wechselnde Besetzung der Band, sich als Band-Leader und begnadeter Songwriter zu etablieren.

Mit der Rumpfbesetzung Ryan Adams, Caitlin Cary und Mike Daly begann die Band die Arbeit am dritten Album „Pneumonia“. An den Reglern saß dabei der Produzent Ethan Johns, der Ryan Adams unter anderem auch bei seinem Solo-Debüt „Heartbreaker“ und seinem Solo-Durchbruch „Gold“ unterstützen sollte. Ähnlich wie zur gleichen Zeit Wilco entwickelten sich auch Whiskeytown hin zu einem poppigeren Sound, der seine Wurzeln natürlich nach wie vor tief im Country hatte. Die Stimmung des Albums ist noch eine deutliche Spur melancholischer als bei den Vorgängern, das zeigt schon der Opener „The Ballad Of Carol Lynn“. Eine wunderschöne Ballade mit Gänsehaut erzeugendem Mundharmonika Einsatz und einer sanft getragenen Melodie. Dazu Ryan Adams unverkennbare Stimme. Ebenso famos auch der Song „Jacksonville Skyline“, in dem Adams nachdenklich eine Geschichte seiner Heimatstadt erzählt. Lupenreine Hits sind auch „Don’t Be Sad“ mit einer großartigen, optimistisch zurückhaltenden Melodie und das tief traurige „Sit & Listen To The Rain“, das einfach zum heulen schön ist. Das ganze Album ist durchzogen von dieser tiefen Melancholie und einer dichten Erzählstruktur. Die versammelten Stücke bilden eine harmonische Einheit, die „Pneumonia“ schon nach dem ersten Hören zu einem süchtig machenden Klassiker werden lassen. Es wäre natürlich kein Ryan Adams Werk, wenn es nicht auch noch ein paar interessante Fakten zum Album gäbe. Nach den Aufnahmen lag das Album nämlich erst einmal eine Weile einfach nur rum, da zum einen Whiskeytown nach nicht mehr waren, aber vor allem auch, weil in diese Zeit die Fusion von Polygram und Universal fiel, wodurch „Pneumonia“ einfach hinten anstehen musste. So veröffentlichte Ryan Adams dann 2000 bereits sein von Kritikern gefeiertes Solo-Debüt und kümmerte sich um den Release seines zweiten Albums „Gold“, als sein neues Label Lost Highway dann 2001 auch endlich „Pneumonia“ und damit eines der großartigsten verlorenen Alben der Alt.Country Geschichte, veröffentlichte.

Rating: ★★★★★
Whiskeytown

Myspace // Label

Pneumonia – bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive