Rezensionen

Freelance Whales – Weathervanes

Hört man im Zusammenhang mit einer Indie-Band als Herkunft New York, kommen die Bands in gefühlten 99% der Fälle aus Brooklyn. Vielleicht auch der Grund, warum die nun in Queens heimischen Freelance Whales auch in Brooklyn verortet werden. Aber das dürfte für sie in Ordnung sein, schließlich ist der Buzz um Bands aus Brooklyn immer noch ein wenig größer und Freelance Whales hatten es bisher schwer genug ihr Album erst einmal in den USA zu veröffentlichen und es dann auch noch über den Atlantik nach Europa zu bringen. Mit ihrer Liebe zu vielschichtigen Klangwelten und Geistergeschichten eroberten sie zunächst nur die Herzen einiger Fans, darunter auch amerikanische Blogger. Die lobten das selbst veröffentlichte Debüt „Weathervanes“ so über den Klee, dass sie Anfang diesen Jahres eine Heimat bei French Kiss Records fanden und ein halbes Jahr nach dem Eigenrelease einen offiziellen Release feiern durften. Noch ein halbes Jahr später ist das Album nun auch in deutschen Landen zu haben, Sony Music und dem Hamburger Label Devil Duck Records sei Dank.

Ohne einen hiesigen Release wäre deutschen Musikfans nämlich ein kleiner Schatz vorenthalten geblieben. Ein Schatz, den man musikalisch am ehesten irgendwo Richtung Twee- und Dream-Pop verorten kann, wie das mit Brooklyn-Bands ja auch gern gemacht wird. Mit Banjo, Glockenspiel, Harmonium, Laptop-Klängen und kleinen Chören erschaffen sie niedliche Klänge, die mal an Sufjan Stevens, Death Cab For Cutie, Arcade Fire und sogar ein wenig Passion Pit erinnern und immer sanft und verträumt erzählt werden. Was hier erzählt wird ist eine kleine Gespenstergeschichte in musikalischer Form. Die Geschichte eines Mädchens, das sich in einen Gespensterjungen verliebt, erzählt in einfachen, plakativen Worten. Ein wenig, wie „Where The Wild Things Are“ als Geistergeschichte, neu im Tim Burton Stil interpretiert. Dazu passen auch die Videos auf der Homepage der Band und vor allem auch die Illustrationen im Booklet, die in einfachen Bleistiftzeichnungen ein paar der Szenen in dunklen Bildern illustrieren. Die träumerischen Klänge bilden einen schönen Gegensatz zur leicht düsteren Geschichte und verstärken damit den positiven Eindruck. Ein wenig schade ist dabei nur, dass „Weathervanes“ manchmal, wie bei „Location“ zu sehr nach den Einflüssen, in diesem Fall Sufjan Stevens, klingt und gegen Mitte des Albums etwas abflacht. Dafür entschädigt aber das großartige „Generator ^ Second Floor“ gegen Ende, das zwar wieder nach Sufjan Stevens klingt, aber eine mitreißende Melodie mit toller Gesangslinie hat. Mit „The Great Estates“ haben sie zudem ein echtes kleines Folk-Pop-Schmankerl als letzten Song gesetzt, so dass man gern über die Parallelen zu anderen Bands hinweg sieht und zu einem guten Gesamturteil gelangt. Darüber hinaus gibt es für die niedliche kleine Gespenstergeschichte noch ein paar Extrapunkte, da sie sich hiermit wiederum stark von anderen Bands abheben können, die über die immer gleichen Themen singen. Spannend wird nun sein zu beobachten, wie sich diese New Yorker weiter entwickeln. Jede Menge Potential für einen Erfolg, der über den Status „Sufjan Stevens für kleine Schwestern“ hinaus geht bringen sie jedenfalls mit.

Rating: ★★★★☆
Freelance Whales

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