Rezensionen

Franz Ferdinand – Tonight:Franz Ferdinand

tonight_cov_lgVier Jahre sind seit dem Release des letzten Franz Ferdinand Albums „You Could Have It So Much Better With Franz Ferdinand“ vergangen, bei ihrer jetzigen Rückkehr planen die Vier scheinbar großes, kündigen sie doch in bester Theater-Manier sich selbst an „Tonight:Franz Ferdinand“. Von Theater hat das Album dann aber wenig, vielmehr ist daraus eher die Ankündigung zu lesen, dass heute Abend Franz Ferdinand auf dem Disco-Floor stattfinden, dafür ist das Album nämlich ganz offensichtlich gemacht. Laut Aussage von Sänger Alex Kapranos ist es ein Album für die Nacht. Eine Nacht mit Franz Ferdinand? Wie sieht die aus? Sie beginnt vielversprechend, mit „Ulysses“ werfen sich die vier Schotten ins Getümmel und machen gleich klar, was sie wollen, feiern nämlich.

So beinhaltet das Stück alles, was Franz Ferdinand auf ihren ersten beiden Alben zu ihrem Markenzeichen machten, einen eingängigen Pop-Beat, zackige Gitarren und einen Refrain zum Mitgröhlen. Der signifikante Unterschied zu den vorhergehenden Alben kommt in den folgenden Songs. Die Glasgower haben nämlich ihr Tempo leicht gedrosselt, das geht zwar ein wenig auf Kosten der Dringlichkeit, aber vor allem zugunsten der Tanzbarkeit. So sind „Turn It On“ und „No You Girls“ leicht düstere Discokracher, die perfekt die in „Ulysses“ begonnen Dramaturgie aufgreifen und fortsetzen. Das folgende „Send Him Away“ ist dann wie der erfolglose kleine Flirt am Tresen, aber genau wie dieser auch der erste Durchhänger des Albums. Die Enttäuschung wissen die Glasgower aber zu nehmen und geben sich in „Twilight Omens“ das erste Mal einem etwas psychedelischerem Disco-Sound hin, das wirkt ein wenig wie eine bunte Collage aus Abba und Pulp, macht aber auch zu viel Spaß um sich wirklich daran zu stören. Was folgt sind wieder Disco-Kracher auf „Ulysses“ Niveau, diese Nacht soll eindeutig Franz Ferdinand gehören und bedeutet Party bis zum Rausch, den Leben sie dann in „Lucid Dreams“, einem pschedelisch angehauchtem 80ies Disco-Stück auf 8 Minuten mit wabernden Synthies vollständig aus. Das ist alles auch für Franz Ferdinand nicht revolutionär, aber macht Spaß und dürfte in diesem Jahr viele Indie-Dancefloors bereichern, auch wenn ein Wermutstropfen bleibt, wenn nach dem Rausch die Sonne über der Stadt aufgeht und Franz Ferdinand im Morgengrauen die Nacht mit zwei Balladen verabschieden verabschieden. Diese sind nämlich so belanglos, wie der Schluck Wasser nach einem Cocktail, ohne irgend ein Potential hängen zu bleiben oder ein Highlight plätschern diese vor sich hin und sorgen nach zehn größtenteils starken Songs für diesen leicht bitteren Nachgeschmack. Vielleicht symbolisieren diese auch das schlechte Gewissen nach einer durchzechten Nacht in Songform.  Aber möchte man so etwas wirklich hören?

Das Album gibt’s ab heute auch komplett im Stream auf dem Myspace der Band, und man kann es sich hier gleich auch noch einmal von Franz Ferdinand erklären lassen:

httpv://de.youtube.com/watch?v=Y3Z33xsKvMQ

Video zu „Ulysses“

httpv://www.youtube.com/watch?v=EvlJVO236SI

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