Rezensionen

Frankie & The Heartstrings – Hunger

Blickt man auf die letzten zehn Jahre der Indie-Szene zurück, zeichnet sich vor allem ein Trend ab: das stetige Zitieren der Vergangenheit. Ob nun im Garage-Rock des ersten The Strokes Albums, der Punk-Affinität von The Libertines oder der Huldigung des Post Punk durch Interpol und ähnlichen Bands. Kaum ein Trend, der nicht schon einmal da gewesen wäre. Das mag erst einmal langweilig klingen, aber die Stärke aller Trends der letzten Jahre war, dass es die Trendsetter immer schafften, ihre Inspiration charmant zu interpretieren und in ein zeitgemäßes Gewand zu kleiden. Auch das 2008 gegründete Quintett von Frankie & The Heartstrings aus der britischen Industrie-Stadt Sunderland zitiert aus der Vergangenheit. Sie kreuzen 50er Jahre Rock und Doo-Wop Sounds mit britischem 80er Jahre Pop, dass es eine wahre Freude ist.

Bereits mit ihren ersten Singles „Hunger“, „Fragile“, „Tender“ (alle drei nicht in Deutschland erschienen. Allein „Hunger“ wurde nun als erste Single aus dem Album rereleased.) und „Ungrateful“ machte die Band kurz nach ihrer Gründung klar, hier wird die Musikgeschichte zwar nicht neu geschrieben, aber mit viel Charme, Spielfreude und guter Laune neu eingekleidet, das sich auf jeder Tanzfläche gut macht. Für das Debütalbum konnten sie die schottische Poplegende Edwyn Collins von Orange Juice gewinnen, der den Bandsound noch ein wenig aufräumte. Das merkt man vor allem im Vergleich mit den alten Versionen von „It’s Obvious“, „Want You Back“ und „Possibilities“, die zuvor noch deutlich chaotischer und rauer klangen. Ab der ersten Minute zielt das Quintett mit schrammeligen, aber poppigen Gitarren und atemlosem Gesang direkt auf die Tanzfläche. Dort tragen die Mädels Petticoat, die Jungs lassen ihre tolle im Takt der Musik hüpfen und alle verfallen dem ganz einzigartigem Charme, den der tolle Nord-Britischer Akzent von Sänger Frankie den Stücken verleiht. Frankie & The Heartstrings hetzen dabei stellenweise von einer Hook zur nächsten und gönnen dem Hörer keine Verschnaufpause. Dabei zeigen sie auch ein enormes Gespür für eingängige Pop-Melodien. „Ungrateful“ etwa überzeugt mit packender Melodie, die sich im Verlauf des Stücks dank gekonntem Spannungsbogen immer weiter steigert. Das Gitarrensolo sitzt und Frankie steigert sich gegen Ende so herrlich in eine stetige Wiederholung der Kernzeile „I wrote this song with you in mind“, dass man die Festivalmassen des Sommers schon vor Augen mitgröhlen sieht. Mit „Fragile“ zeigen sie, dass sie auch Herzschmerzballaden mit Gänsehautfaktor können. „And if you break on me / It’s nothing to see / Well accidents happen“ singt Frankie trotzig und dennoch so leidend, dass man ihm das beinahe geschriene „You Mean Nothing To Me“ gegen Ende nicht abnehmen kann – ein solcher Zwiespalt besteht zwischen gesungenem Wort und der Stimme.

Bei „That Postcard“ übertreibt es die Band dann beinahe schon eine Idee zu sehr aus der Vergangenheit. Erinnert das Stück in Melodie und Rhythmus doch stark an „I Wish You Wouldn’t Say That“ von den Talking Heads. Wir hoffen, dass  das nichts nach sich zieht. Eines muss man Frankie & The Heartstrings allerdings auch hier lassen: Ihre Interpretation klingt eine Spur frischer, unterhaltsamer und macht verdammt noch mal Laune. Und das ist die große Stärke von Frankie & The Heartstrings, sie machen vielleicht nicht vieles neu, aber sie verpacken ihre Einflüsse dermaßen gekonnt und mit so viel Freude, dass man sie nur dafür lieben kann.

Rating: ★★★★½
Frankie & The Heartstrings
Frankie & The Heartstrings auf Tour

06. April, Berlin, Levee Club
08. April, Hamburg, Molotow

Karten gibt es ab 8,40 EUR bei Eventim


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Foto auf Startseite: Andy Wilshire

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