Rezensionen

Fotos – Porzellan

Vorbilder sind etwas tolles, sie helfen uns unseren Weg zu finden, unsere Identität zu festigen und beeinflussen uns natürlich auch in dem, was wir tun. Freiheit ist auch etwas tolles, niemand der einem reinredet, der einen drängt etwas zu tun, oder uns einen Stempel aufdrücken möchte. Ihre Freiheit haben Fotos nach dem Ende ihres Vertrags bei der EMI nun wieder gewonnen. Die wollte sie wohl auf Teufel komm raus als das nächste große Ding vermarkten und sie in eine Ecke drängen, in die Fotos nicht wollten. Das wiederholen sie nun auch so oder so ähnlich beinahe mantraartig in vielen Interviews. Mit neu gewonnener Freiheit haben sie nun auch die Möglichkeit sich ihren Vorbildern zu widmen, oder auch als ganz freie Entscheidung aktuelle Trends in ihrer Musik aufzugreifen.

Der Trend geht langsam weg vom schrammeligen Indie-Rock hin zu fuzzigen, Shoegaze-Sounds auf der einen und folkigen Twee-Sounds auf der anderen Seite. Fotos scheinen die Shoegaze-Variante der aktuellen Trendentwicklung vorzuziehen und präsentieren sich mit „Porzellan“ von einer neuen Seite. Das zeigt schon der Opener „Alles Schreit“. Das Wörtchen Zeitgeist möchte man dem Titel noch hinzufügen. Der Gesang schön hallig und die Instrumente erschaffen eine undurchdringliche kalte Soundwand. Kollegen meinen Anleihen bei The Jesus & Mary Chain und My Bloody Valentine zu hören. Vielleicht haben wir die genannten Bands auch einfach missverstanden, aber die Songs klingen in der Folge eher nach einer Mischung aus Slut, Polarkreis 18 und Tocotronic. Die Dresdner hört man gerade beim eigentlich tollen „Nacht“ heraus. Mit der Stimme von Felix wäre das ein klarer Polarkreis 18 Hit, die Lyrics sind zur Abwechslung recht unpeinlich, die erzeugte Stimmung gelungen dicht und die Dramatik ansprechend. Das gelingt auf „Porzellan“ leider streckenweise eher schlecht. Häufig wirkt die Verquickung des Indie-Rocks von Fotos mit Shoegaze- und Fuzz-Elementen sehr gewollt. Ein roter Faden ist nur schwer auszumachen, nur wenige Elemente vereinen die Songs, so dass das Album stellenweise eher wirkt wie ein wirrer Mix der gewählten Stile, die bei der Band zu allem Überfluss leider auch noch viel zu selten in wirklich richtig gelungenes Material münden. Denkt man an das doch recht gelungene „Nach dem Goldrausch zurück“ wünscht man sich fast, dass die sympathische Band weniger Freiheiten bekommen hätte. Dem Durchbruch wird das nicht schaden, der wird nämlich jetzt fällig sein denkt man an die bisher überschwänglichen Reaktionen auf „Porzellan“. Zu wünschen ist es Fotos natürlich auch.

Rating: ★★☆☆☆
Fotos

Fotos – Mauer (Musikvideo) from Snowhite on Vimeo.

Fotos auf Tour präsentiert von: Westzeit, Yahoo.com, WhiteTapes.de, Säavy & tape.tv

21. September, Halle – Objekt 5
22. September, München – Kranhalle (unterstützt von On3Radio)
23. September, St. Pölten – Freiraum
24. September, Köln – Studio 672
25. September, Hamburg – Reeperbahnfestival
26. September, Berlin – Roter Salon (unterstützt von Radio Fritz)

Interview // Myspace // Label

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