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Florence And The Machine – Lungs

Musik aus iPod-Werbespots schient sich so langsam zu einer eigenen Genre-Form zu entwickeln. Gut, die ist immer völlig unterschiedlich, aber eine Platzierung in einem Spot zu einem Apple-Produkt scheint inzwischen so etwas wie der Startschuss für einen Karriereschub zu sein. Feist’s Song „1-2-3-4“ hat sich zu einem Riesen-Hit entwickelt, auch die französisch-israelische Sängerin Yaël Naïm fand sich mit ihrem Song „New Soul“ plötzlich in den Top 5 der deutschen Charts und auf VIVA wieder. Die Liste lässt sich mit The Asteroids Galaxy Tour, The Fratellis und The Ting Tings noch fort führen. Aus England hat es nun auch Florence Welsh mit ihrem Projekt Florence And The Machine getroffen, die sich mit ihrer Single „Kiss With A Fist“ erst im neuen iPod Nano Spot und danach überall in der heimischen Presse wieder fand. Kein Wunder, der Song hat alle Zutaten für einen gelungenen Radiohit. Eine eingängige Melodie, die markante Stimme von Florence Welsh und ist knackig kurz angerockt. Ein Song allerdings auch, der nur einen winzigen Ausschnitt aus der musikalischen Bandbreite der jungen Londonerin zeigt.

Um diese Bandbreite zu beschreiben ist es am Einfachsten, die Künstler zu nennen, mit denen Florence immer zu von der britischen Presse verglichen wird. Das sind nämlich Natasha Khan, besser bekannt als Bat For Lashes, Lily Allen, Kate Nash und Kate Bush. Also esoterisch angehauchte Musik, mit viel Pop-Appeal, einem Hang zum Bombast und auch zu abstrakten Strukturen. Florence selbst beschreibt sie als „die Art von Musik, die Lily und Kate machen würden, wenn sie eingeschlossen in einem Käfig voller Schlangen im Keller eines Bestattungsinstitutes in Louisiana aufgewachsen wären.“ Schon im Opener „Dog Days Are Over“ legt sie stark vor. Der Song beginnt ruhig und erwächst zu einem launigen Pop-Perlchen mit Hand-Claps, mehrstimmigem Chor, einem unterhaltsamen Rhythmus und stark vorgetragenem Gesang von Florence Welsh. Von ihrer starken beinahe sirenenhaften bis hypnotischen Stimme leben ihre Songs. In „Rabbit Heart (Raise It Up)“ schwingt sie sich in ähnliche Höhen wie Natasha Khan, auch die Drums geben sich hier ähnlich bombastisch wie bei Bat For Lashes, mit dem Unterschied, dass der Song sich bei Florence mehr in Richtung Pop, als in esoterische Strömungen begibt. Das steht der Sängerin gut zu Gesicht und webt die dichte Stimmung des Albums immer weiter. Aus diesen schönen Pop-Songs, die ruhig beginnen und sich mit einer leicht düster angehauchten Atmosphäre in den Bombast erwachsen, sticht „Kiss With A Fist“ mit seiner einfach Gitarrenmelodie und seiner Kürze von zwei Minuten hervor. Nicht der stärkste Song des Albums, aber eindeutig der mit dem größten Radiopotential. Das folgende „Girl With One Eye“ folgt wieder der Formel ruhiger Beginn, bombastisches Ende. Aus einer ruhigen Folk-Melodie entwickelt sich ein dramatisches Stück mit mehrstimmigem Chor, der einen hohen Gänsehautfaktor aufweist. „Drumming“ ist der deutlichste Bat For Lashes Moment, ein treibender Drum-Rhythmus und der mitreißende Gesang von Florence Welsh machen den Song zu einem der großartigsten und atmosphärisch dichtesten des Albums. Aber Florence kann auch locker und unbeschwert, wie sie „Betweeen Two Lungs“ beweist. Eine lässige Gesangemelodie untermalt von einem Hippie-Chor und einem verspielten Klavier. Das macht Laune und beweist wieder die stilistische Bandbreite der Londonerin. An einigen Stellen ist die Produktion der Stücke vielleicht etwas glatt geraten, das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Welle junger Damen mit großartiger Musik von der Insel nicht so schnell abreißen wird. Und wer eine so fantastische und mitreißende Coverversion des Klassikers „You’ve Got The Love“ als Bonus-Track auf’s Album packt, der hat schon gewonnen.

Rating: ★★★★½
Florence + The Machine

Video zu „Dog Days Are Over“

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