Rezensionen

First Impressions Of: Frightened Rabbit – The Winter Of Mixed Drinks

Foto: Myspace der Band

First Impressions Of, so soll der Arbeitstitel einer Reihe lauten, in der wir unsere ersten Eindrücke von bald erscheinenden Alben schildern. Ob daraus eine Serie wird? Schauen wir mal, ich starte jedenfalls mit einem meiner am längsten ersehnten Alben. „The Winter Of Mixed Drinks“ von Frightened Rabbit nämlich. Das flatterte letzte Woche pünktlich zum Winteranfang hier ein, auf der Rückseite die schöne Zahl „32“ und ein Hinweis, dass es recht dämlich wäre, das Album illegal weiter zu verbreiten. Daran die Hülle schnell aufzureißen und mit dem Silberling den nächsten CD-Player zu bestücken hat mich das aber nicht gestört. Spielstart also für den Nachfolger des Albums, das ich zwar etwas spät entdeckt habe, mich seitdem aber immer wieder berührt und weit nach oben in eine imaginäre Liste der besten Alben aller irgendwas gehört. Ob „The Winter Of Mixed Drinks“ an „The Midnight Organ Fight“ heranreicht soll aber nicht Gegenstand dieses Beitrags werden, dazu bräuchte ich noch einmal etwa 500 Durchgänge.

Für den Anfang müssen 1 bis 2 Sätze zu jedem Song reichen:

„Things“: Zu einem Gitarrenecho gesellt sich ein Keyboard und Scott Hutchison’s warme Stimme. Der singt sich zuerst leise und dann mit steigernder Intensität ein. Die Instrumente steigern sich in ähnlichem Maße mit. Bevor aber der Bombast ausbricht fahren Frightened Rabbit die Instrumente wieder zurück und lassen das Stück leise mit Geigen ausklingen. Ein typisches Opener-Stück mit ersten Tendenzen zum Bombast.

Zum folgenden Song „Swim Until You Can’t See Land“ muss eigentlich nichts mehr gesagt werden. Ein großartiger Mid-Tempo Pop-Song mit toller, verspielter Melodie. Eingängig und absolut infektiös. Passend platziert nach dem Opener, um das erste kleine Schmankerl zu bieten.

„The Loneliness & The Scream“ bietet erstklassige Mitsing- und Mitklatsch-Action mit einem stimmungsgeladenen „O ho ho ho ho“ Chor. Ein gut gelaunter Popsong in bester Frightened Rabbit Manier.

Den ersten richtigen Bombast-Moment gibt es dann in „The Wrestle“. Dichte Gitarrentürme und Scott Hutchison, der sich Herz zerreißend steigert. Geigen und tolle Drums verdichten die Stimmung zusätzlich und dürften für die ein oder andere Gänsehaut sorgen. Schön.

Mit „Skip The Youth“ erreichen wir das erste Interlude. Ein sich wiederholender Gitarren-Akkord, Störgeräusche und Drums türmen sich auf und stoppen dann abrupt, um dem eigentlichen Song Platz zu machen. Dabei handelt es sich dann um einen ruhige Nummer mit gut gelaunter Melodie und wieder einem gewissem Hang zum Bombast, wenn sich die Band am Ende in ein lautes Intermezzo aus Chor-Gesang, Gitarren und Drums steigern. So könnten Snow Patrol auch klingen, tun sie aber nicht.

„Nothing Like You“ ist ja bereits aus der BBC6 Session bekannt. Eine schöne Up-Tempo-Nummer mit eingängigem Rhythmus und abwechslungsreicher Melodie-Führung. Zurecht auch zur nächsten Single erkoren.

Wenn das Tempo etwas angezogen wurde machen Frightened Rabbit gern eine kleine Verschnaufpause. So auch mit „Man/Bag Of Sand“. Ein Interlude, bei dem zu akustischer Instrumentierung der Refrain von „Swim Until You Can’t See Land“ vorgetragen wird. Hübsch.

Stimmungsvoll geht es mit „Foot Shooter“ weiter. Frightened Rabbit nehmen sich Zeit. Dichte Instrumentierung und Scott Hutchison, der sich in seiner unverkennbaren Art durch den Song windet. Wieder schön.

Das Tempo bleibt erst einmal zurück gefahren, obwohl Scott Hutchison erklärt, er sei „Not Miserable“. Glaubt man ihm auch, denn gegen Ende wird das Stück immer heller, die Instrumentierung dichter und der Klang des Songs hoffnungsvoller. Am Ende sorgen dann wieder ein paar Geigen und die für das Album inzwischen beinahe typische Prise Bombast dann wieder für die unvermeidbare Gänsehaut.

Gut gelaunt nähern wir uns dem Ende. „Living In Colour“ ist so etwas wie der Titeltrack des Albums, denn hieraus stammt die Zeile „The Winter Of Mixed Drinks“. Das Stück selbst wurde auch bereits bei BBC6 gespielt. Funktioniert auch ähnlich, wie „Nothing Like You“. Eines der schnellsten Stücke auf dem Album, die Drums marschieren und gibt einen hübschen Stampfrhythmus vor.

„Yes I Would“ fungiert dann als typischer Rausschmeißer. Die letzten 40 Minuten werden Revue passieren gelassen. Das Tempo ganz zurück genommen und Scott Hutchison singt so hoch, wie wir ihn noch nicht gehört haben. Ein schöner Song, der direkt ins Herz trifft.

So also der erste Eindruck. Eines haben alle Stücke wieder gemeinsam. Auf den ersten Blick sind sie immer ein wenig verschlossen, wie auch die Stücke von „The Midnight Organ Fight“, offenbaren dann aber schon bei den nächsten Durchläufen schnell ihre ganze, verwundbare Schönheit. Ob das Album an den Vorgänger heran reichen kann? Fragt mich nach etwa 500 weiteren Durchläufen. Eines ist aber jetzt schon klar, nämlich, dass wir es hier mit einem der Kandidaten für den Titel „Album des Jahres“ zu tun haben. Eine richtige Wertung erlauben wir uns dann kurz vor Release, bis dahin werdet ihr hier aber sicher noch einiges über Frightened Rabbit lesen.


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