Rezensionen

Fionn Regan – The Shadow Of An Empire

Es war 2004, da stieß ich auf einer Plattform namens Myspace (so eine Social Community, bei der sich Musiker und Fans verknüpfen können, die Mitte des letzten Jahrzehnts einmal ihre Hochzeit hatte) auf einen jungen irischen Künstler mit dem interessanten Namen Fionn Regan. Wegen der mal anderen Schreibweise des schrecklichen Waldorf-Schüler Vornamens Finn blieb der Name dann hängen, ich hörte in die Musik rein und kurze Zeit später hielt ich die famose „Hotel Room EP“ in Händen. Darauf gab es großartige akustische Songwriter-Songs mit sanfter Stimme vorgetragen, die von einem großen Talent zeugten, das ich ab diesem Moment gut im Auge behielt. Zwei Jahre später veröffentlichte Fionn dann auch endlich sein Debüt-Album, mit dem er das Ende der Geschichte einläutete, so zumindest der hochtrabende Titel des Albums. Auf „The End Of History“ versammelte er neben zwei alten Bekannten im neuen Gewand vor allem viel neues Material.

Die älteren Stücke „Abacus“ und „Hunter’s Map“ verloren im Album-Kontext allerdings etwas von der Intimität der EP. Die war auf weiten Strecken des Albums eher einer beinahe kühlen, distanzierten Schüchternheit gewichen. Saß Fionn auf der EP noch quasi direkt neben einem auf dem Hotel-Bett und spielte seine Songs auf seiner Klampfe, so hatte er es sich nun über weite Strecken des Albums am anderen Ende des Raumes gemütlich gemacht. Das bedeutet, für den Erstkontakt mit Fionn Regan erlebte man auf „The End Of History“ immer noch akustische Songwriter-Perlen mit hoher Direktheit vorgetragen. Mit „Put A Penny In The Slot“ und „Be Good Or Be Gone“ waren überdies auch noch zwei richtige Hits dabei. Was folgte waren eine Nominierung für den renommierten Mercury Prize, viel Kritikerlob, ein Placement von „Be Good Or Be Gone“ in der US-Serie (na wer errät’s?) Grey’s Anatomy und ein Vertrag mit Lost Highway (Ryan Adams, etc.) für einen Album-Release in den USA. Beste Voraussetzungen für den talentierten Iren, jetzt also richtig durch zu starten. Am Besten direkt noch ein Album mit sanfteren akustischen Streichlern nachlegen und dem Kuschelbart William Fitzsimmons zuvor kommen. Der Künstler Fionn Regan sträubte sich allerdings gegen diese Vorstellung und nahm sich drei Jahre Zeit für sein zweites Album. Das trägt mit „The Shadow Of An Empire“ dann auch wieder einen Titel in bester Tradition seines Debüts. Produziert hat Fionn auch wieder selbst. Zu denken, alles sei beim Alten geblieben, wäre nun aber ein Trugschluss. Das zeigt schon der Opener „Protection Racket“. Statt akustischen Streicheleinheiten gibt es nun Americana und Rock in bester Bob Dylan und Elvis Costello Manier. Die Szenerie von „The Shadow Of An Empire“ gleicht nun auch eher einem irischen Pub. Dort steht natürlich zumeist Guinness auf der Karte, das schmeckt zwar nicht jedem, hebt aber in richtigen Dosen dennoch die Stimmung. Die ist dann auch deutlich gehobener, als noch auf dem Debüt, aus dem in sich gekehrten Geschichtenerzähler scheint ein erwachsener Troubadour geworden zu sein. Der lässt mit vertrackten Songstrukturen, erhebenden Rhytmen und bissigen Texten („Theses big companies are giving us the squeeze“) so etwas, wie seinen inneren Punk raus. Wem der neue Fionn Regan nicht schmeckt, der wird zumindest mit ein paar ruhigeren Songs, wie „Violent Demeanour“ und „Lines Written In Winter“ das zu hören bekommen, wofür er Fionn einst lieben lernte. Aber dennoch sei empfohlen, sich mit dem neuen, geselligeren Fionn Regan zu beschäftigen, der hat nämlich immer noch fesselnde Geschichten zu erzählen, die er mit stimmiger Instrumentierung auf seinen heimischen Tape-Recorder gebannt hat.

Rating: ★★★★½
Fionn Regan

Myspace // Label

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