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Fionn Regan – The Meeting Of The Waters

Fionn Regan – The Meeting Of The Waters

Auch, wenn der Ire Fionn Regan noch in seinen 30ern ist, hat er sich schon relativ früh in seiner inzwischen 17 Jahre andauernden Karriere, von Lucinda Williams mit dem Label „his generation’s answer to Bob Dylan“ konfrontiert sehen müssen. Was sollen wir sagen, optisch gab er sich dann während seiner gesamten Schaffenszeit nie die Mühe, sich von diesem Robert Zimmermann – der ja inzwischen Literaturnobelpreisträger ist – abzugrenzen und auch stimmlich rückten ihn Kritiker gern mal in die Nähe des Singer-Songwriter-Urgesteins. Natürlich ist aber Fionn Regan mehr als eine Antwort auf Bob Dylan und dabei, genauso, wie Conor Oberst, nicht das Sprachrohr einer Generation. Das gibt es nämlich in der heutigen Zeit auch gar nicht mehr. Dafür sind Generationen, spätestens seit der mit „X“ versehenen, durch umfangreiche mediale Berichterstattung und Strömungen zu vielschichtig und in Zielen und Ansichten zu unterschiedlich. So ist es dann auch zu erklären, dass Fionn Regan sich seit dem Vergleich mit Dylan seinen eigenen Pfad geebnet und seinen eigenen Klangkosmos geschaffen hat, der ihn seit seinem Debüt „The End Of History“ durch die verschiedensten Spielarten des Folk, Americana und Indie-Pop führte.

„The Meetings of The Waters“ heißt das nunmehr fünfte (je nach zählweise auch vierte Studioalbum, da selbst laut Künstler umstritten ist, ob das Album „The Bunkhouse – Vol I Anchor Black Tattoo“ mitzuzählen ist) des Iren. Die Zeit seit dem letzten offiziellen Release hat er vor allem mit Kollaborationen und als Produzent verbracht. So arbeitete er unter anderem erfolgreich mit The Staves und auch Bon Iver. Letztere Kollaboration schien dann auch so etwas, wie ein Weckruf für die Schaffenskraft des Iren; nachdem Justin Vernon für sein drittes Bon Iver Album „22, A Million“ mehrere Samples vom Debüt von Fionn Regan nutzte und sich beide zu einer fruchtsamen Zusammenarbeit beim Michelberger Music Festival in Berlin zusammenfanden. Aber in der Zwischenzeit verbrachte Fionn Regan natürlich auch immer wieder Zeit damit, eigene Songs zu schreiben. Quasi in einem Akt, seine Arbeit als freischaffender Künstler, Songwriter und Produzent für andere sowie als „Muse“ miteinander zu verbinden. All diese Quelle seiner Schaffenskraft landeten nun in „The Meetings Of The Waters.

Und da, wo sich Wasser treffen, entsteht entweder ein größerer Fluss, ein Strom, ein See oder das Wasser trifft auf den Ozean. Alles hat einen Einfluss auf den Empfänger. Ähnlich geht es jedem Künstler, denn für alles, was er an Output fabriziert, erhält er ein gewisses Feedback. Das verarbeitet Fionn Regan, denn „The Meetings Of The Waters“ ist das Produkt seiner Erfahrungen nach den Releases der Vergangenheit und auch nach den Kollaborationen. Das mündet in einer breiten Soundpalette, die Fionn Regan so vielschichtig zeigt, wie bisher auf keinem anderen Alben. Den Beginn macht der Titeltrack „The Meetings Of The Waters“. Ein ruhiges Stück, das einen entspannten Drive entwickelt und trotz seiner fünf Minuten Länge ohne große Ausreißer an keiner Stelle langweilig wird, sondern eine einladend, angenehme Stimmung erzeugt. Eine ähnliche Melancholie schafft der Ire auch bei den folgenden beiden Stücken „Cormorant Bird“ und „Turn The Skies Of Blue On. Mit warmer Stimme singt Fionn Regan zu ausgefeiltem Gitarrenspiel, das in der Folge auch mal von der elektronischen Gitarre stammen kann. So zum Beispiel bei „Cape Of Diamonds“, wo erstmals elektronische Klänge zum Einsatz kommen. Noch stärker kommen diese bei „Book Of The Moon“ durch, das eines der Highlights des Albums sein dürfte. Beinahe experimentell ist das Stück „Babushka-Yai Ya“, ein temporeicher Song mit stark rockendem Einschlag und schrägen Lyrics. Jedoch lediglich ein Ausreißer in einem Meer melancholisch warmer Stücke, bei denen Fionn Regan seinen bekannten Singer-Songwriter-Sound weiter webt. Der Höhepunkt folgt zum Schluss mit dem Indie-Rocker „Up Into The Rafters“, bei dem der Singer-Songwriter alle vorherigen Elemente in einem Song vereint, bevor er Album mit dem zwölf Minuten langen Instrumental-Stück „Tsuneni Ai“ ausklingen lässt.


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Photo by Autumn de Wilde

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