Rezensionen

Fionn Regan – 100 Acres of Sycamore

Sycamore ist das englische Wort für Bergahorn. Ein Baum, der 30 Meter hoch und 500 Jahre alt werden kann. Der junge Ire Fionn Regan scheint so angetan von diesem Baum, dass er ihn gleich auf 100 Hektarn in den Titel seines dritten Albums nimmt. Man könnte auch sagen nach dem Vorgänger „The Shadow Of An Empire“, auf dem er sich größtenteils anhörte, als würde er sich in einem Pub aufhalten, zieht es ihn nun in die Wälder. Genau genommen hat er es in Deìa auf Mallorca bei Freundin und Schauspielerin Anna Friel (vielen vielleicht bekannt als Chuck in „Pushing Daisies“).

Nach ruhigen Folk Songs in bester Nick Drake Manier auf „The End Of History“ und Americana in Bob Dylan Tradition mit „The Shadow Of An Empire“ spielt Fionn Regan jetzt mit orchestralen Elementen, um seinen Songs eine neue Note einzuatmen. Das gelingt ihm schon im Opener und titelgebenden „100 Acres of Sycamore“, wo er mit viel Hall unterlegt und begleitet von Streichern und seiner sanft gezupften Gitarre eine herrliche Gänsehaut erzeugt. Die Orchesterelemente erschaffen hier einen neblig, traurigen Wald, durch den Fionn’s sanfte Stimme wie ein suchendes Licht dringt. Die im Opener noch ganz ferne Stimme rückt in „Sow Mare Bitch Vixen“ ganz nah an den Hörer ran und man fühlt sich fast so, als würde Fionn den nur von Gitarre und seiner Stimme getragenen Song direkt in der Küche neben einem vortragen. Streicher und sanfte Percussions geben dem Song dann noch eine gewisse Dramatik. Was der Song eigentlich gar nicht nötig hat, denn auch so ist er bereits einfach nur schön. Seine romantische Ader zeigt der Ire mit „For A Nightingale“. Ein Refrain, in dem er singt „You’re a star my little heart / beat“ und einem beinahe kitschigen „Düdü düdü düdü“. Die Sonne scheint nun das Dickicht des gesamten Waldes zu durchdringen und wohlige Wärme zieht auf. Großartig ist zudem das knapp sechsminütige „Vodka Sorrow“, in dem Fionn die Lyrics nach einem ruhigen Beginn nur mit Klavier und seiner leidenden Stimme, nur noch aus den Worten „Vodka Sorrow“ in verschiedensten Betonungen bestehen. Wer schon einmal einen Kater vom Vodka hatte wird Fionn an dieser Stelle wohl am besten verstehen.

Abgesehen von diesem vielleicht nicht ganz ernst gemeinten Ausflug in das Seelenleben eines Säufers zeigt schwingt auf dem gesamten Album viel Tier- und Natur-Symbolik und vor allem viel Gefühl und Pathos mit. Und vor allem liefert „100 Acres of Sycamore“ eine Erkenntnis: Nach dem eher durchwachsenen Ausflug in den Pub auf „The Shadow Of An Empire“ ist es Fionn Regan wieder gelungen ein Album mit vielen berührenden Momenten zu erschaffen und sich ganz nebenbei schon wieder neu zu erfinden.


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