Rezensionen

Finn LeMarinel – Violence

Finn LeMarinel - Violence

„Der Sänger / Songwriter von Band XY“ ist ein gern genommenes Etikett, um einen Künstler mit seinem Soloalbum vorzustellen. Bei einem gewissen Justin Vernon wurde das zum Beispiel gern getan, als er sein Solodebüt als Bon Iver veröffentlichte. Erst dadurch erlangte der Name DeYarmond Edison überhaupt Bekanntheit, war die Band doch vor dem Soloschaffen von Justin Vernon nur Insidern und Folkfreaks bekannt. So auch beim Schotten Luke Gareth Joyce, der nun schon zwei Alben als I Build Collapsible Mountains veröffentlicht hat und in Rezensionen gern der Typ ist, der unter anderem schon bei The Gothenburg Address spielte. Die meisten der Rezensenten dürften seinerzeit nicht eine Note des Post-Rock-Projekts von Luke gehört haben, die Beschreibung klingt aber natürlich dennoch gut und strahlt immer eine Aura des Wissens aus. Ähnlich könnte es vielleicht auch Finn LeMarinel gehen. Klar haben wir seine Band Trapped In Kansas hier schon einige Male behandelt und bezeichnen uns auch zurecht als Fans ihres ganz eigenen sphärischen Indie-Rocks. So wirklich bekannt ist die Band dennoch nicht und so dürfte das Etikett „Sänger von Trapped In Kansas“ die Fragezeichen nicht wirklich beseitigen, wenn jemand auf den Namen Finn LeMarinel die Frage stellt, „wer ist denn das?“.

Wie dem auch sei, ähnlich wie Vernon und Joyce veröffentlicht auch der Songwriter Finn LeMarinel jetzt sein erstes Soloalbum. Das hört auf den Titel „Violence“ und wie bei den erwähnten Kollegen des jungen Schotten bleibt die E-Gitarre in der Ecke stehen und man hört einen Songwriter, der ganz allein im Studio seine Songs vorträgt. Auffälligstes Merkmal von LeMarinel’s Songwriting ist sicherlich sein ganz eigenes Gitarrenspiel. Er zupft und streicht und nutzt die Gitarre parallel als Percussioninstrument, um so eine teils hypnotische Klangwelt zu erzeugen. Fesselnd sind auch seine stetigen Tempo- und Stilwechsel. So beginnt der Opener „Garden“ zunächst mit einer repetitiven Textzeile und einem fast flotten Gitarrenspiel, um in der Folge immer reduzierter und zerbrechlicher zu werden, bis gegen Ende nur noch Finn’s Stimme von ganz sanften Gitarrenklängen begleitet erklingt. Die Stimme von Finn LeMarinel ist hier auch sicherlich als eines der prägenden Elemente des Albums zu sehen. Sie ist nicht im üblichen Sinne schön und klingt manchmal ziemlich weinerlich und quäkig. Das ist aber kein Manko, denn der Künstler weiß sie gekonnt einzusetzen, ohne je wirklich weinerlich oder trantütig zu klingen. In „Roll The Grime“ schafft er es damit zum Beispiel nur mit etwas Hall unterlegt wie der gesamte Fleet Foxes Chor zu klingen.

Trotz karger Instrumentierung passiert in den ruhigen Stücken LeMarinel’s immer genügend um den Hörer ans Album zu fesseln. Ein wenig wie beim Eingangs erwähnten Bon Iver Debüt, bei dem es an jeder Ecke raschelte und Vernon mit immer neuen Details und Ideen zu überraschen wusste. LeMarinel erschafft eine ähnlich einsame und verlorene Stimmung. Manchmal ein wenig unheimlich, düster und von einer enormen Einsamkeit getragen. Ohne aber dass er dafür mehrere Monate allein im Wald hätte leben müssen. Das macht die zwölf Songs auf „Violence“ zu einer wunderbaren Reise durch die Gefühls- und Gedankenwelt eines jungen schottischen Songwriters, dessen Band Trapped In Kansas dank dieses Albums vielleicht ja auch bald ein wenig bekannter ist.

Bei Bandcamp ist „Violence“ bereits ab 4 GBP zu haben. Lohnt sich!


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Foto auf Startseite und Session Video: Luke Gareth Joyce

Discussion

  1. […] ein paar Wochen veröffentlichte Trapped In Kansas Frontmann Finn LeMarinel sein erstes Soloalbum “Violence”. Bis zu einem Debüt seiner Band ist es wohl noch etwas hin. Aber bereits jetzt gibt es zumindest […]

    Posted by Trapped in Kansas – neue Single “Only Child” im Stream | WhiteTapes | November 5, 2012, 3:27 pm

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