Rezensionen

finn. – The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own

Es scheint so ein wenig das Jahr zu sein, in dem sich Alben sehr gut über ihre Entstehungsgeschichten vertreiben lassen. Da schlagen bis dato schon Justin Vernon, alias Bon Iver, der sich für sein Debüt For Emma, Forever Ago auf eine einsame Waldhütte in Wisconsin zurück zog, Conor Oberst, der für sein selbstbetiteltes Soloalbum seine Band in einen Bus setzte und in das mexikanische Mystic Valley karrte und nicht zuletzt die aufstrebenden Magdeburger von Chase The Dragon, die große Teile ihrer EP Replacing Space in einer österreichischen Berghütte aufgenommen haben, zu Buche. Um da heranreichen zu können, muss man nun natürlich was auffahren. Für Patrick Zimmer, alias finn. scheinbar kein Problem, er zog sich nämlich für die Aufnahmen an seinem Album „The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own“ in ein Kirchengewölbe aus dem 14 Jahrhundert, weit unter den Straßen von St. Pauli, zurück. Das im Gegensatz zu den zuvor genannten auch ganz ohne elektronische Instrumente.

Ein Umstand, der auch trotz aller Konsumkritik, die das Album beherbergt, gut und gerne im Pressetext nachhaltig betont wird. Die Erwartungen an das neue finn.-Werk sind somit also recht ambivalent, zumal die Aufteilung in fünf Akte, in Anlehnung an eine griechische Tragödie, abschreckend konzipiert klingt. Auf einen Nenner gebracht, rechtfertigt das Endprodukt das ganze Buhei? Darauf kann es eigentlich nur ein klares Ja geben. „The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own“ bietet wunderschöne Kompositionen, die vetrräumt und introvertiert tänzeln und den Zuhörer in eine dichte und mitreißende Klangwelt ziehen. Das eigens zusammengetrommelte Orchester begleitet Patrick mal hintergründig und man denkt, der Held der Sage würde unter seinem Weltschmerz zerbrechen, kurz darauf nehmen die Songs aber teilweise überraschende Wendungen und das Orchester braust auf, es schient als würde es wieder Hoffnung geben. Der Gesang verhält sich ähnlich, mal wehklagend und voller Fragilität, dann wieder gefestigt und stark. So entziehen einen die 16 Stücke für eine Stunde in eine ganz andere Welt, alles verliert an Bedeutung, da ist nur noch diese Stimme aus dem Untergrund und sein Orchester. Man könnte diesen ganzen Beitrag eigentlich auch einfach durch ein Wort ersetzen: Schön!

Video zu „Dew“:

httpv://www.youtube.com/watch?v=fko4uBiIff4

Myspace-Profil mit dem ganzen Album im Stream
Feature zum Album bei seinem Label
PIAS Germany

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