Rezensionen

Fear Of Men – Fall Forever

Fear Of Men - Fall Forever

Es dürfte keine Neuigkeit sein, dass sich  Musikvertrieb und -szene seit dem Durchbruch von MP3s und Blogs rasant geändert haben und auch Karrieren von Bands damit schnelllebiger sind. So ist es auch kaum verwunderlich, dass Fear Of Men aus Brighton nur zwei Jahre nach ihrer Gründung bereits einen Labelvertrag hatten. Dort, bei Kanine Records, erschien mit „Early Fragments“ dann auch schnell eine Compilation auf Albumlänge, aller bisherigen Singles der Band und nur ein Jahr später mit „Loom“ dann auch schon das Debüt. In diesen drei Jahren hatte die Band ihren Sound gefunden, ist vom Geheimtipp zum Newcomer geworden und hat die ersten Besetzungswechsel durchgemacht. Zwei Jahre später bestehen Fear Of Men in ihrer Besetzung als Trio und haben nun ihr zweites Album aufgenommen. Nachdem sie bei „Loom“ noch allein im Studio waren und ihrem von Camera Obscura, Lush und The Smiths inspirierten Dream-Pop selbst produzierten, hatten sie für „Fall Forever“ nun Unterstützung vom Produzenten Tom Morris. Der war unter anderem schon für Bloc Party, Outfit, Glass Animals und Woman’s Hour aktiv, was schon andeutet, dass die Reise in etwas andere musikalische Gefilde geht.

Beim Schreibprozess in einem alten Schlachthof in Kent, befassten sich die drei Bandmitglieder mit existentialistischeren Themen, schauten tief in die menschliche Psyche und schrieben dunklere, atmosphärische Songs. Das schlägt sich auch musikalisch in teils dronigen, kalten Elektrosounds und ausufernden Synthieflächen nieder. Die Gitarren werden mehr verzerrt und über allem schweben berührende, teils zerbrechliche Vocals, die zusammen mit eingewobenen, süßlichen Popmelodien gekonnt Akzente setzen. Dadurch geraten die Stücke in ihrer düster-surrealen Stimmung nie zu dunkel oder experimentell und auch, wenn man textlich das Gefühl hat, Sängerin Jessica Weiss würde am Abgrund stehen, spürt man ihr doch immer die Sicherheit an, dass da noch eine Hand ist, die sie hält. Am Ende ist Fear Of Men ein Album gelungen, das die Grenzen des Bandsounds erkundet und dabei Elektro-, Wave-, Drone- und Shoegaze-Einflüsse zu einem kunstvollen Pop-Experiment verbindet.

Fear Of Men live

20. September 2016, Düsseldorf – FFT
26. September 2016, Berlin – Kantine am Berghain

Photo by Eleanor Hardwick

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