Rezensionen

Father Sculptor – VI

Father Sculptor - VI

Wir wissen gar nicht mehr genau, wie wir auf die Schotten von Father Sculptor aufmerksam wurden, aber im Spätsommer waren sie einfach da und beschenkten uns seitdem in einem Rhythmus von zwei Wochen mit neuen Songs. Sieben an der Zahl wurden es, die Fans von The Smiths Fans und Freunden des britischen Post Punk aufhorchen ließen. Sogar der Rolling Stone und der Musikexpress wurden auf diese junge Band aus Glasgow aufmerksam, die weder einen Plattenvertrag noch eine Facebook-Seite hatte. Das mit Facebook hat sich mittlerweile geändert und das mit dem Plattenvertrag dürfte auch nicht mehr lange dauern. Dafür haben sie nun einige Wochen nach dem Gratis-Release der Songs eine EP aus den sechs Gratisstücken und einem dem neuen „Interlude“ gestrickt. Sechs Stücke und ein Interlude also, weshalb die Schotten die EP auch einfach „VI“ genannt haben. „VI“ ist dann nicht nur die einfache Aneinanderreihung der Stücke, sondern eine sinnvolle Aufbereitung der Stücke und eine Darreicherungsform, dank der auch Musikfreunde, die bisher noch nichts von Father Sculptor gehört haben, auf die Band aufmerksam werden könnten.

Die Reihenfolge der Songs ist durch „VI“ auch nicht mehr so willkürlich, wie bei den Einzeldownloads und kann nun auch einen nachvollziehbaren Spannungsbogen erzeugen. Den Start machen die fünf Schotten mit „Ember“, das Stück, das auch das erste Lebenszeichen der Band war. Das Stück entwickelt sich ganz langsam, schichtet mit der Zeit immer mehr Gitarrenriffs und Drums aufeinander, bis es gegen Ende mit viel Hall und ausladendem Gesang zu einer beinahe bombastischen Nummer wird. Ein stimmungsvoller Einstieg, der nicht nur der Tatsache geschuldet ist, dass „Ember“ das erste veröffentlichte Stück der Band war. „Aristide“ nimmt in der Folge dann noch mehr Fahrt auf und bewegt sich im Mid-Tempo. Ein Stück, bei dem sich Sänger Thomas David stimmlich The Cinematics annähert, jedoch mit der lakonischen Gesangsart eines Morrissey. Überhaupt bieten Father Sculptor mit ihren Johnny Marr Gedächtnis-Gitarren und ihrem Post Punk udn 80ies Pop Sound jede Menge Referenzen an The Smiths, The Cult und Joy Division. Wo das aber noch bei ihren Kollegen von Life In Film, die sich einem ähnlichen Sound verschrieben haben, häufig störte, bekommen Father Sculptor meist noch die Kurve. Das liegt auch vor allem daran, dass die fünf Schotten nicht versuchen einen Hit an den nächsten zu reihen, sondern ihre Songskulpturen vorsichtig aufbauen, geschickt an der Melodieführung schnitzen und den Stücken häufig viel Raum zur Entfaltung geben.

Das macht zum Beispiel „Frances“ zu einem wundervollen Synth-Pop-Stück mit verträumter, leicht düsterer Melodie, das einfach nur zum entspannt zurücklehnen anregt. Man fühlt sich zwar nicht unbedingt nach 1984 zurückversetzt, wie es der britische Guardian beschreibt. Das kann aber auch daran legen, dass der Autor dieser Zeilen damals auch gerade einmal 1 Jahr alt war. So lässt sich dennoch attestieren, dass „VI“ eine tolle Debüt-EP von fünf Schotten ist, die bald auch über die Highlands hinaus Bekanntheit erlangen könnten.

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