Rezensionen

Fanfarlo – Let’s Go Extinct

Fanfarlo - Let's Go Extinct

Man kann es Fanfarlo nicht verübeln, dass sie vor eineinhalb Jahren mit ihrem zweiten Album „Rooms Filled With Lights“ einen anderen Weg einschlugen, als noch mit ihrem Debüt „Reservoir“. Das veröffentlichten sie bekanntlich erst Anfang 2009 auf eigene Faust und Ende des Jahres dann auch im großen Stil über Warner Records. Verübeln kann man ihnen den Stilwechsel deshalb nicht, weil spätestens mit dem großen Release ihres Debüts überall Vergleiche mit Mumford & Sons zu lesen waren. Vergleiche, die natürlich absoluter Unsinn waren und wohl nur aufkamen, weil die Folkstampfkapelle, die seit nunmehr zwei Alben immer den gleichen Beat zum selben Song spielt, nicht im Ansatz dem filigranen Folk-Pop von Simon Balthazar und Co. ähnelt. Das schienen Kritiker anders zu sehen und so gingen Fanfarlo mit ihrem zweiten Album weg vom Folk-Pop, hin zu einer etwas advangartistischern, elektronischeren Grundrichtung, denn mal ehrlich, wer möchte schon mit Mumford & Sons verglichen werden. Die Vergleiche hörten dann bei „Rooms Filled With Lights“ auch auf, doch Fans fühlten sich ob des experimentelleren, direkteren Popsounds ein wenig vor den Kopf gestoßen.

Nur eineinhalb Jahre nach ihrem letzten Album legen Fanfarlo vielleicht auch gerade deshalb mit ihrem nunmehr dritten Album „Let’s Go Extinct“ nach. Das Album wirkt wie ein Kompromiss zwischen „Reservoir“ und „Rooms Filled With Light“ oder stellt vielleicht auch nur das fehlende Bindeglied dar. Simon Balthazar zeigt sich gewohnt nachdenklich und singt auf „Let’s Go Extinct“ über die großen Themen. Warum sind wir da, was wird nach uns sein und wo führt das alles hin. Balthazar als Existenzialist. Die Stücke bewegen sich zwischen einer Prise Folk, experimentellen Rock-Klängen, 80er Jahre Pop und Elektro. Klangtechnisch vielleicht am ehesten mit Freelance Whales, Cocteau Twins, Arcade Fire, Stars und Prefab Sprout zu vergleichen. Dabei trägt die Band auch gern mal etwas dicker auf und lässt sich von Bläsern und Streichern in dicke Schmalzsphähren heben. Fanfarlo wollen sich allerdings nie so ganz festlegen und tändeln zwischen hunderten von Ideen hin und her. So sind die Stücke zwar mit großen Gesten angereichert und die Texte leidenschaftlich vorgetragen, leider wirken sie allerdings nie so wirklich entschlossen. Alles wirkt wie in der Schwebe. So als wolle die Band sich unbedingt versöhnlich zeigen für Fans, die nach dem Debüt von Fanfarlo enttäuscht waren, ohne jedoch, sich vom experimentelleren Sound von „Rooms Filled With Light“ abwenden zu wollen. Das macht „Let’s Go Extinct“ leider nicht zu dem großen Pop-Album für die Ewigkeit, das Balthazar vielleicht schreiben wollte. Es ist leider nicht mehr als ein Album mit ein paar guten Ideen, die leider auf Dauer nicht wirklich Spaß machen.


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