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Esperi – In A Moment, Emotion, Sentiment

Esperi - In A Moment, Emotion, Sentiment

Übersetzt man das Wort „Esperi“ aus dem Italienischen, spuckt Google Translate die Übersetzung „Experimente“ aus. Da unsere Kenntnisse dieser Sprache mehr als gering sind, übernehmen wir diese Übersetzung einfach, denn sie passt sehr gut ins Konzept. Der Schotte Chris Lee-Marr hat sich für sein musikalisches Soloprojekt nämlich auch den Namen Esperi gegeben und die Beschreibung „experimentell“ passt eigentlich wie die Faust auf’s Auge. Marr ist Multiinstrumentalist und das hört man auf seinem Debüt „In A Moment, Emotion, Sentiment“. Ganz langsam eröffnet der Song und wird ruhig um ein Glockenspiel, ein paar leise elektronische Klänge und sein Gitarrenspiel aufgebaut. Begleitet von der sich immer wiederholenden Gesangslinie „Silo / Silo / The Fire“. In mehr als sieben Minuten verdichtet sich der Song immer weiter und nimmt den Hörer in seinem Sog gefangen.

Wie bereits auf seinen EPs schichtet Marr ein Instrument über das nächste, bis ein sanfter Teppich aus Klängen gewoben ist, auf dem man durch seine malerische Klanglandschaft fliegt. Auf Albumlänge hat sich Marr aber zum Glück etwas von den verkopften Folkotronic-Experimenten verabschiedet und nun mehr mit poppigeren, zugänglicheren Sounds experimentiert. Strukturen sind nun deutlicher erkennbar und es gibt einen roten Faden, dem man beim Hören folgen kann. Die Emotionen, die Marr in seine Musik einfließen lässt sind größtenteils sehr melancholisch und trauriger Natur. Dabei aber nie weinerlich und immer mit einer gewissen Prise Hoffnung, dass es am Ende doch wieder besser wird.

Die Songs leben dabei immer vom Einsatz des starken Gitarrenspiels von Marr, das immer wieder duch Schichten von Kinderinstrumenten, geloopten Elektrosounds und jeder Menge anderer Spielereien dringt. Beinahe traumwandlerisch singt Marr dazu, drängt seine Stimme aber nie in den Vordergrund. Humor beweist er auch, zum Beispiel mit dem Titel „Home“ und dessen Fortsetzung mit dem anschließenden „Homer“. Einzelne Titel aus „In A Moment, Emotion, Sentiment“ hervorzuheben ist aber dennoch extrem schwer. Alle Stücke auf dem Esperi Debüt bilden trotz der Unterteilung in zwölf Songs eine große Klangeinheit, die mehr als siebzig Minuten Klangbilder bietet, die zum Träumen und Abschalten einladen. Keine Musik für Ungeduldige, eher ein Album für Entdecker und Tagträumer. Das ideale Album eigentlich für neblige Herbsttage und davon dürften uns in den nächsten Wochen noch einige bevorstehen.


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Foto auf Startseite: Luke Gareth Joyce

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