Rezensionen

Erving. – Lonely Girl At Heart

Wo in Deutschland besteht wohl die größte Chance, dass sich drei kreative Menschen über den Weg laufen und aus diesem Zusammentreffen heraus mal eben eine Band gründen? Die Antwort auf diese Frage kann wohl nur Berlin lauten. So auch bei Carrie Erving, Uwe Effertz und Tom Krimi. Die ersten beiden bummelten in ihrer Jugend quer durch die USA und sammelten Eindrücke aus verschiedensten musikalischen Blickrichtungen. Der Dritte im Bunde ist Bremer Musiker, der sich sein täglich Brot in Berlin als Pop-Produzent verdient. Beim Zusammentreffen merkten sie wohl, dass die Chemie zwischen allen Dreien stimmt und so beschlossen sie unter Carrie’s Nachnamen ein gemeinsames Projekt zu starten.

Das lebt dann vor allem von Carrie Erving’s Stimme, die kommt erst einmal zärtlich und verletzlich daher, kann aber viel Stärke zeigen. Vom Klang erinnert sie dabei etwas an Dido, allerdings verzichtet sie beinahe komplett auf Pop-Schmalz. Musikalisch bedienen sich die Musiker dann auch aller möglichen Stilrichtungen, die Einfluss auf sie genommen haben. Bei „Rip Your Heart Out“ wirkt das auch gleichzeitig ambitioniert und erfrischend, mit Glockenspiel, sanften Elektroeinspielungen und einem Folk-Beat klingt das dann ein wenig nach einer launigen Minimal-Version von Feist. Auch gefühlvolle Momente stehen dem Trio gut zu Gesicht, wie „Airport“ mit sanfter Instrumentierung und schmachtendem Gesang von Carrie Erving beweist. So könnte Dido klingen, wenn ihr Songwriting beim Erfolg nicht auf der Strecke geblieben wäre. Mit „Don’t Put Your Crazy On Me“ wendet sich dann das Blatt etwas mehr Richtung Elektro-Pop. Ein dümpelnder Beat untermalt Carrie Erving’s Stimme, die einen schönen Gegenpart in Uwe Effertz Stimme findet. Beinahe düsteren Blues gibt es dann in „Lonely Girl At Heart“ mit einer ruhigen blechernen Gitarre und Carrie Erving’s klagendem Gesang ist der Titeltrack dann sogar beinahe bedrohlich in dieser sonst so hellen Mädchenphantasie, die sich im Album wieder spiegelt. Meist ist die Mischung aus Folk, Pop und Elektro auf „Lonely Girl At Heart“ höchst unterhaltsam, nur leider verlässt sich das Trio dann manchmal doch zu sehr auf Carrie Erving’s Stimme, statt auch einmal die zahlreichen originellen Klangfetzen, die nur zur Untermalung dienen auch einmal mutig auszubauen und den Songs eine richtig überraschende Richtung zu geben.

Rating: ★★★½☆
Erving
Myspace // Label

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