Rezensionen

Enno Bunger – Wir sind vorbei

Enno Bunger

„Wir sind Vorbei!“ schreien die drei Ostfriesen von Enno Bunger seit ein paar Monaten in die Welt hinaus. Sie teilen Fotos von Pärchen, Prominenten und TV-Sendungen, die eben genau das sind – nämlich vorbei – zusammen mit diesem Ausruf. Gott sei Dank sind Enno Bunger aber noch lange nicht vorbei. Sie starten mit ihrem zweiten Album erstmal so richtig durch.

Nach dem Debüt „Ein Bisschen Mehr Herz“, dass doch sehr poppig daher kam, lässt das Trio inzwischen vermehrt schwermütige Töne erklingen. Im zweiten Album verarbeitete Enno Bunger, der Sänger und Pianist der Band, das Aus einer langjährigen Beziehung. So schlimm so eine Trennung auch sein mag, sie eignet sich für die Musiker dieser Welt immer wieder zur Erschaffung wunderbarer Werke, so wie wir es zum Beispiel bereits von Bands wie Noah And The Whale oder auch Bon Iver kennen.

Bereits im Dezember lieferte das Dreiergespann den ersten Titel des neuen Albums ab. Dieser trug den Namen „Blockaden“ und zeigte den Fans, dass sich am Stil von Enno Bunger nicht wirklich viel verändert hat, was ja auch nicht sein muss. Viele Künstler machen den Fehler, dass sie Weiterentwicklung mit Stiländerung gleichsetzen. Bei einigen funktioniert es, bei anderen leider gar nicht. Von daher ist es eine Wohltat, wenn sich eine Band ihrer Talente bewusst ist und diese gezielt einsetzt und sich innerhalb dieser entfaltet.

Als ich das erste Mal in den Genuss kam „Wir Sind Vorbei“ zu hören, begriff ich schnell, dass Enno Bunger um einige Nummern gewachsen ist. Er und seine Band bestechen nun mit einer breiten Palette musikalischer Facetten und versetzen den Hörer mit jedem Titel in die unterschiedlichsten Stimmungslagen. Auf der einen Seite freudig, erwartungsvoll, leicht – auf der anderen Seite verzweifelt, tiefgründig und schwer. Diese interessante Mischung zieht sich durch das komplette Album. Natürlich dominiert wie auch sonst das Klavier die Musik, stimmlich sind die Parallelen zu Blumfeld unverkennbar.

An zweiter Stelle des Albums folgt der Titel „Euphorie“, zu dem die Band passend zur Plattenveröffentlichung ein mehr als tolles Video gedreht hat. Neben „Roter Faden“ hat sich dieser Song zu einem meiner persönlichen Favoriten verfestigt. Beide Lieder sind sehr dynamisch und gehören zu den lauteren von „Wir Sind Vorbei“. Allerdings sind auch die ruhigeren Töne nicht zu verachten. Bei „Regen“ möchte man sich am Liebsten in eine Decke einkuscheln und einfach nur der Musik lauschen. Irgendwie schafft es Enno einen mit seiner Stimme in seine Welt zu ziehen und im Kopf Bilder entstehen zu lassen. Man hat das Gefühl, man wäre dabei, als wäre einem selbst genau das passiert, was er in seinen Liedern beschreibt.

Bei „Die Flucht“ versucht sich die Band auf neuen Wegen. Hier dominiert der Rhythmus Musik und Stimme, was mir persönlich sehr gut gefällt. Enno wechselt sogar zwischendurch in den Sprechgesang. Bei „Astronaut“ besinnt sich der Pianist auf seine Wurzeln und setzt sich an die Orgel, seine Stimme klingt dumpfer und eher monoton, ein Glockenspiel ummalt die ansonsten sehr reduzierte Musik. Gegen Ende des Albums versuchen sich Enno Bunger vermehrt an Neuem. Sie erfinden dabei nicht das Rad neu oder verlassen ihre Stilrichtung, sondern sie experimentieren freudig mit den ihnen bereits bekannten Mitteln. Den Ausklang von „Wir Sind Vorbei“ schafft „Präludium“, laut Wikipedia ein „Instrumentalwerk mit eröffnendem oder hinführendem Charakter“. Eigentlich eher merkwürdig den Titel so zu nennen, da es sich hier ja um den letzten Song des Albums handelt, aber irgendwie ist es auch ziemlich genial. Enno Bunger leiten über zu Teil Drei ihrer Geschichte, sie leiten ein in alles, was darauf folgen mag oder sie leiten durchaus auch wieder zurück zum ersten Song, wenn man den Player einfach auf Dauerschleife stellt.

Enno Bunger sind noch lange nicht vorbei. Sie bleiben sich selbst treu und haben meiner Meinung nach genau den richtigen Weg eingeschlagen, um auf kurze oder lange Sicht mit ihrer ehrlichen Art hoffentlich den Erfolg zu bekommen, den sie verdienen. „Wir Sind Vorbei“ ist ein wirklich gelungenes Zweitwerk.

Enno Bunger auf Tour:

04. April, Köln, Subway
05. April, Osnabrück, Kleine Freiheit
07. April, Berlin, Roter Salon
08. April, Leer, Zollhaus
09. April, Rostock, Zwischenbau
10. April, Hamburg, Prinzenbar
11. April, Cottbus, Bebel
12. April, Leipzig, Sweat Club
13. April, Dresden, Puschkin


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