Rezensionen

Endor – Endor (s/t)

Es ist schon erstaunlich, gibt man den Bandnamen Endor bei Google ein, bekommt man 1.060.000 Ergebnisse (Stand 8. Juli 2010, 14:13 Uhr) und erhält nach einer ganzen Reihe Star Wars Einträge bereits auf Platz 8 einen Link zur Myspace Seite des Quartetts aus Glasgow. Dort haben sie es auch auf immerhin schon 119.875 Aufrufe gebracht. Allerdings eher eine magere Ausbeute, zum Vergleich, ihre Freunde von We Were Promised Jetpacks haben bisher 1.131.725 Aufrufe. Aber die Zeiten, in denen Myspace ausschlaggebend für eine Band war, dürften lange gezählt sein. Heutzutage muss man Bands wieder selbst entdecken, zum Beispiel über Bandcamp, wo Endor ihr Debüt-Album nun unter anderem digital veröffentlicht haben. Produziert wurde es von Marcus Mackay, der sich unter anderem für die Urfassung des Frightened Rabbit Debüts „Sing The Greys“ verantwortlich zeigte. Den Rest machten sie auf eigene Faust und es ist schon bedauerlich, dass sie deshalb wohl nur wenig Aufmerksamkeit bekommen werden.

Verdient hätten sie nämlich einen ähnlichen Hype, wie es ihn um We Were Promised Jetpacks bei ihrem Debüt und Frightened Rabbit bei ihrem zweiten Album gab. Denn auf „Endor“ gibt es jede Menge zu entdecken. Das beginnt schon mit dem Opener „All Your More Buoyant Thoughts“, der fröhlich voranprescht und einen launigen Refrain bietet, auf den auch Frightened Rabbit und Counting Crows sicherlich stolz wären. Da schrecken sie auch nicht vor Chören und ein paar Trompeten zurück, um ein wenig Bombast reinzubringen. Die Produktion tut ihr übriges, ist schön klar und direkt und liefert die Emotionen genau über das Ohr ins Herz. Und die sind vielfältig, wie die Szene, aus der Endor stammen. Häufig marschieren sie ein Lächeln auf den Lippen tragen voran, stampfen auf die Refrains zu und fordern zum fröhlichen Tanz auf. Qualitäten, die sie sich bei Frightened Rabbit abgeschaut zu haben haben scheinen. Aber Endor können auch ruhiger und begeben sich mit dem still trauernden „The Observer“ dann beinahe schon ein wenig in die Nähe von Meursault. Sicherlich ließen sich auch woanders Referenzen herholen, aber Endor sind so tief verwurzelt in ihrer schottischen Heimat, dass sich ihre Landsmänner geradezu aufdrängen. Richtige Gänsehaut ruft dann „Chapel Doors“ hervor. Die Stimme von Mark Chapel lässt herrliche Schauer den Rücken runter laufen, die spärliche Instrumentierung lässt ihr viel Raum, den sie schallend bis zum Ende nutzt, ohne sich dem Bombast zu ergeben. Mit dieser Mischung aus Folk, Indie-Rock und -Pop hat das Quartett ein Debüt erschaffen, das stimmig von Anfang bis zum Ende geraten ist. Der rote Faden ist deutlich erkennbar und schlüssig nachvollziehbar und die Mischung so gelungen, dass am Ende nur eine Wahl bleibt, die Repeat-Taste. Nicht zuletzt wegen des famosen „Two Lovers“, einer dieser Mit-Tempo-Hits, bei denen einfach alles stimmt. Langsam baut die Band das Stück um den Gesang von David McGinty auf und ergibt sich dann im Refrain in der richtigen Dosis Bombast und Pathos, um dann einen kleinen Bruch für eine Bridge zu machen und dann noch einmal erst Instrumental und dann in voller Stärke alles an eindringlicher Stimmung raus zu holen. So klingt ein Hit mit Gänsehaut-Faktor, der geradezu danach schreit, dass Endor bald mindestens genauso viele Anhänger haben, wie We Were Promised Jetpacks.

Rating: ★★★★★
Endor

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