Rezensionen

EL VY – Return To The Moon

EL VY – Return To The Moon

Auch wenn Musik ein schnelllebiges Geschäft ist, gibt es immer wieder Releases, die jahrelang gewachsen sind. Krassestes Beispiel dafür ist „Smile“ von The Beach Boys, das 1966 begonnen wurde, dann aus verschiedenen Gründen wieder zurückgezogen wurde und dann im Jahr 2004, unter der Regie von Brian Wilson, doch noch erschien. Da erscheint die Zeit in der das EL VY Debüt entstanden ist, vergleichsweise kurz. Der Ausgangspunkt liegt knapp zehn Jahre in der Vergangenheit. Damals veröffentlichten The National gerade ihr Album „Alligator“, von dem sie über 77.000 Einheiten verkaufen sollten. Den Durchbruch schafften sie dann 2007 mit „Boxer“, im selben Jahr, wie Menomena, die 2007 mit „Friend and Foe“ Bekanntheit erreichten. Der Zufall wollte es, dass die Bands eine gemeinsame Tour spielten, über die sich eine Freundschaft zwischen Matt Berninger und Brent Knopf bildete.

Zehn Jahre später haben beide Musiker je eine Grammy-Nominierung im Lebenslauf stehen und zumindest The National Frontmann Matt Berninger füllt mit seiner Band inzwischen große Hallen. Brent hat sich hingegen 2011 von Menomena getrennt, um sich auf die Produzententätigkeit und sein Projekt Ramona Falls zu konzentrieren, mit dem er mittlerweile drei Alben veröffentlichte.

Parallel haben die beiden Musiker irgendwann die Arbeiten an einem gemeinsamen Album vorangetrieben, Ideen gesammelt, Songstrukturen skizziert und Geschichten gesponnen. Die Arbeiten sammelte Berninger unter dem Arbeitstitel „The Moon“. Daher auch der Albumtitel, denn als Berninger und Knopf den Entschluss fassten, die gemeinsame Platte endlich Realität werden zu lassen, wurde es für den The National Sänger quasi die „Return To The Moon“.

Das gemeinsame Album als EL VY klingt dann auch genau so, wie man sich eine Mischung aus The National und Ramona Falls (und auch Menomena) vorstellt. Auf eine einfache Formel gebracht also melancholische Indie-Sounds mit verspielter Note und experimentellen Klängen. Soweit die Grundlagen. Das Ergebnis klingt natürlich nach viel mehr, denn auf die simple Gleichung 1+1=2 lassen sich Knopf und Berninger nicht begrenzen. Das zeigt schon der Titeltrack „Return To The Moon“. Ein sonniges Stück mit offenem, luftigen Sound, das trotzdem eine gewisse The National-Schwere zeigt und vom tiefen Bariton Berninger’s lebt. Was er dort singt, ist dann allerdings ganz anders, als die üblichen Texte von ihm. Bei EL VY bekommt man scharfe Beobachtungen geliefert, verpackt in Geschichten, die mit bissiger Ironie und schwarzem Humor gewürzt sind.

Gutes Beispiel dafür ist „I’m The Man To Be“. Zeilen, wie „I’m peaceful cause my dick’s in sunlight / held up by kites“ und „I’ll be the one in the Lobby in the colored fuck me shirt / the green one“ sind Lyrics, die man so bei The National sicher nicht zu hören bekommt. Diese textliche Würze, gepaart mit den häufig unterhaltsam, experimentell rockigen Songs und den anspruchsvollen Songstrukturen, machen EL VY so spannend und zu einem Nebenprojekt zweier Bands, das wirklich Aufmerksamkeit verdient hat.

EL VY auf Deutschland-Tour

02. Dezember 2015, Hamburg – Gruenspan
04. Dezember 2015, Köln – Kantine
06. Dezember 2015, Berlin – Astra Kulturhaus

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