Rezensionen

Editors – In Dream

Editors

Als die Editors vor etwas mehr als zehn Jahren ihr erstes Album veröffentlichten, waren sie zur rechten Zeit am rechten Ort. Gerade eroberte eine Welle wilder, junger Musiker aus England ganz Europa. Britische Rockmusik mit Anleihen an Post-Punk, New-Wave und Shoegaze war gerade überall. Jedes Label hatte ein Pferd im Stall und jede neue britische Band wurde im Zuge der Welle über alle Maßen gehyped.

Überlebt haben bis heute nur wenige davon, nämlich die, die nicht auf Teufel komm raus Teil einer Bewegung sein wollten, sondern die sich stattdessen in Ruhe ihrer Musik gewidmet haben und denen von ihren Labels auch Zeit gelassen wurde.

Hier zeigt sich einmal mehr die wichtige Arbeit von Indie-Labels. Denn Franz Ferdinand wären ohne das Vertrauen von Domino Records vermutlich nicht den Weg gegangen, den sie gegangen sind. Gleiches gilt für Maxïmo Park bei Warp Records, Bloc Party bei Wichita Records und eben auch die Editors bei PIAS.

Die durften sich beim Debüt „The Back Room“ direkt über ein Platinalbum für ihre Schützlinge freuen, ein Erfolg, den die Band auch mit dem Nachfolger „An End Has A Start“ wiederholte und auch dessen Nachfolger „In This Light and On This Evening“ landete auf Platz 1 der UK-Charts. Erst mit einem Besetzungswechsel und dem vierten Album “The Weight Of Your Love“ gingen die Charterfolge wieder ein wenig zurück, das Label hielt der Band aber dennoch die Treue.

Nach einem neuerlichen Besetzungswechsel nur ein Jahr nach dem Release ihres vierten Album,s nahmen Editors Ende letzten Jahres auch schon ihr fünftes Album auf. Dieses zeigt die Band auch in einer neuen Rolle. Denn erstmals übernahmen Editors die Produktion ihres Albums selbst. Für das Mixing war Alan Moulder zuständig. Alles andere als ein Unbekannter also, mit dem die Band sicherstellte, dass „In Dream“ in dem Sound erstrahlte, den Editors erreichen wollten. „In Dream“ ist laut Sänger Tom Smith vom Glauben getrieben, dass „Musik sowohl poppig, als auch experimentell sein kann“. Gut, das ist jetzt eigentlich keine wirklich neue Feststellung, aber nach dem von vielen Kritikern als zu poppig angesehenen letzten Werk, das mancherorts als müder U2-Abklatsch beschimpft wurde, tut ein experimentellerer Ansatz der Band vielleicht ganz gut, um alte Fans wieder zu gewinnen.

Ob das gelingt, sei mal dahingestellt, genügend Gründe liefern Editors mit ihren zehn Songs aber auf jeden Fall. Dabei mischen die fünf Musiker grundlegend die Kernelemente ihrer letzten beiden Alben, nämlich den düsteren Wave-Sound von „In This Light and On This Evening“ (mit der Hit-Single „Papillon“) und den breitwandigeren Rocksound von „The Weight Of Your Love“. Das Ergebnis ist gewohnt atmosphärisch und vor allem dunkel. Das alles ohne bedrohlich zu wirken, was auch (Achtung Wortspiel!) der Opener „No Harm“ verspricht. Ein langsames Stück mit meditativer Note und ausufernden Synthieflächen, das zu großen Teilen vom hohen Gesang von Tom Smith lebt.

In der Folge nimmt das Album mehr Fahrt auf und bietet mit „Ocean Of Night“ eine experimentelle Synthie-Pop-Nummer, bei der Rachel Goswell von Slowdive als Gastsängerin zu hören ist. Im späteren Verlauf bereichert sie auch das beinahe kathartische „The Law“, das mit seinem warmen Klangteppich, den luftigen Synthies und den markanten Beats zu einem der besten Songs des Jahres gehören dürfte. Dazwischen bieten Editors eine gewohnt hohe Bandbreite, die von langsamen Songs mit dramatischer Note, bis hin zu ausufernden, rockigeren Songs mit viel Pathos reicht und eine Band zeigt, die es immer wieder schafft sich neu zu erfinden, ganz ohne sich dabei zu weit von der Vergangenheit zu entfernen. Warum sollten sie auch, denn bei aller Kritik gibt der Erfolg Editors doch immer wieder recht und rechtfertigt am Ende auch das große Vertrauen, dass das Label in sie setzt und das Editors mit ihrer Treue belohnen, denn es dürfte schon überraschen, wenn bis heute kein Major versucht hat, das Quintett abzuwerben.

Editors auf Deutschland-Tour mit The Twilight Sad

02. November 2015, Köln – Palladium
08. November 2015, Hamburg – Mehr! Theater am Großmarkt (ausverkauft)
09. November 2015, Berlin – Columbiahalle (ausverkauft)
10. November 2015, Offenbach – Stadthalle
12. November 2015, München – Tonhalle


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