Rezensionen

Edda Magnason – Goods

Die halb schwedische, halb isländische Songwriterin, Sängerin und Pianistin Edda Magnason ist in Deutschland noch relativ unbekannt. In ihrer Heimat hat sie Kritiker bereits begeistert. Ihre Bekanntheit hierzulande könnte sich nach „Goods“, dem zweiten Album des Mulititalents ändern. Es eröffnet sich uns eine musikalische Welt aus verträumten Pianoschwaden, ausgefeilter Orchestrierung, quietschfidelen Jazzeinlagen und vertrackten Arrangements. Auch das mysteriöse Artwork des Albums stammt aus der Hand von Magnason.

Der Opener „Camera“ ist beim ersten Anhören etwas gewöhnungsbedürftig aber im weiteren Verlauf des Albums passt er immer mehr ins Konzept und es zeigt sich, dass er typisch für Magnason ist – Eigenartig, quer und irgendwo schön. Immer und immer wieder wird die Frage „Have you seen the world in that one million camera?“ wiederholt und das war es auch schon von der lyrischen Seite, die sich allerdings wortreicher auf anderen Stücken zeigen wird.

Der Nachfolger „Blondie“ ist einer der eingängigeren Tracks des Albums und ein Höhepunkt. Hier geben sich Glockenspiel, Sitars und Streicherarrangements die Hand und machen diesen Popsong mit der eindringlichen Melodie kantig. Spätestens der mehrstimmige Chorus hat den Hörer in seinen Bann gezogen.

„Beatle“ vereint unschuldiges Schlummerlied mit dramatisch-dunklen Pianoklängen. Dieser Widerspruch ist auch textlich hörbar. Magnason singt über abenteuerliche Reisen und Kindheit.

Das Piano ist auch auf dem ruhigen „Magpie’s Nest“ das Hauptinstrument. Die Single  „Handsome“ ist neben „Blondie“ ein weiterer eingängiger Song, dessen Geradlinigkeit vom hysterischen Gesang der Künstlerin gebrochen wird. Auf „Hur Jag Foerestaeller Mig Det Are Att Segla (How I Imagine Shilling)“ besteht das Gesangliche nur aus dem Mitsummen von Magnason und ihren Backgroundsängern zur rein instrumentalen Musik. Ein wunderschönes Stück, der nahtlos in „Ancient Star My Innocent Heart“ übergeht. Hier gibt es keine Melodie. Dieser Song erinnert an Musical- oder Filmmusik mit seiner extrem einfühlsamen und Drama-geschwängerten Instrumentierung. Auf „Falling Asleep To A Kitchen Conversation“ treibt es Magnason auf die Höhe. Lyrisch besteht das Stück aus „La la lis“, „Da di das“ und „Hahahas“ – Spätestens hier wird klar. Die Schwedin macht Ausdruckstanz hörbar. Fast kabarettistisch mutet das Stück an. Ein Wechselspiel aus minimaler Instrumentierung und reicher Orchestrierung besitzt „Sound Of Arrivals“. Das druckvolle und temporeiche  „One Man Show“ verändert seine Form oft und unerwartet rattert, klopft und quietscht es an allen Ecken. Text und Gesang sind hier ihr eindeutig Spielzeug. „Jormine“ besteht musikalisch nur aus Pianomusi und Magnasons charakteristischer Stimme. Damit kommt der musikalische Sturm zu einem ruhigen Ende.
Jetzt wissen wir, was Magnason wohl mit ihrem „Have you seen the world in that one million camera?“ meinte. Es scheint, als würde sie damit die musikalische Welt beschreiben, die sich auf diesem Album eröffnet. Phantasievoll, verquer und trotzdem charmant und amüsant.

Edda Magnason live:

14.10.2011 Berlin – Deutsches Theater

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