Rezensionen

Eagulls – Eagulls (s/t)

Eagulls

Im September ist es schon drei Jahre her, seit wir hier das erste Mal Eagulls aus Leeds erwähnten. Unsere Freunde von Keep Your Eyes Open (R.I.P.) berichteten hier damals von „5 lads rattling through a repertoire of working-class angst and punk heroics“, die „serial back-patting in everything from the NME to Vice“ bekamen. Ein Hype war also schon damals abzusehen, Eagulls ließen sich dann aber vergleichsweise Zeit und veröffentlichten zunächst ein paar Singles und EP’s, bevor ihr Name seit Mitte letzten Jahres wieder überall zu lesen war. This Is Fake DIY schreibt von „pissed-off punk that gets all up in your face“, Pitchfork schlägt in eine ähnliche Kerbe: „this Leeds band has already pissed some off by spewing mindless vitriol online, but there’s more to these ambitious, melodic punks than a fuck-the-world attitude“ und Mojo prophezeit sogar „Eagulls are keeping the British Post-Punk dream alive“. Da wir Eagulls ebenfalls während dieser ganzen Zeit verfolgten, freuten wir uns schon sehr auf das Debüt der „neuen Punk-Helden“ (wenn man dem Hype glaubt). So waren wir besonders erfreut, dass wir „Eagulls“ bereits ca. drei Monate vor Release erhielten und auf diese Art Gelegenheit hatten, nicht nur die kurzfristige Wirkung, sondern auch ein wenig die musikalische Nachhaltigkeit des Albums zu testen.

Frontmann George Mitchell hat seine eigene Art mit dem Hype und daraus folgenden Vergleichen umzugehen: „Mich nerven die ewigen Vergleiche. Die Leute erzählen uns immer, wir würden wie Oasis oder wie The Cribs klingen. Aber keine Band ist wie wir“. Der letzte Satz deutet schon auf ein extremes Selbstbewusstsein der Band hin und der erste Satz offenbart ein extremes Problem der britischen Szene, das nämlich zeigt, dass nur auf einen Hype aufgesprungen wurde, ohne sich die Band wirklich anzuhören, mit Oasis haben Eagulls bis vielleicht auf ihr Selbstbewusstsein nämlich nicht viel gemeinsam. Das Quintett bedient sich auf seinem Album fleißig beim Punk, Garage- und Indie-Rock der letzten 40 Jahre. Die Songstruktur ist dabei recht einfach gehalten. Hallender Gesang, prägnante Basslines, verzerrte Gitarren und scheppernde Drums werden in kurzen Songs recht kurzweilig kombiniert.

Das ergibt Songs, hinter denen Eagulls auch durchaus selbstbewusst stehen können. Insbesondere ihr Talent in jedem ihrer hingerotzten kleinen Punksongs eine eingängige Melodie unterzubringen sei hier herausgestellt. Zum Beispiel bei „Tough Luck“, das vor einiger Zeit als Single erschien. Ein leicht düsterer Popsong mit starker DIY-Note und einem deutlichen The Cure Einschlag in der Melodie (wie wir ja auch schon im November schrieben). Großartig ist auch der Album-Opener „Nerve Endings“, der kürzlich den NME Awards für das Musikvideo des Jahres abräumen durfte. Ein hallender Rocksong, in dem sich die Band über vier Minuten temporeich nach vorn peitscht. Auch der Rausschmeißer „Soulless Youth“ zeigt in fünf Minuten mit dunkler Grundstimmung, peitschendem Bass und sich bedrohlich auftürmenden Gitarrenwänden, wozu Eagulls fähig sind. In den 38 Minuten auf „Eagulls“ zeigen sie das leider nicht so häufig, wie man sich wünschen würde. Die Band beschränkt sich zu häufig auf ihr erlerntes Songschema, gibt ihre Einflüsse wieder, weiß aber häufig nur kurzfristig zu begeistern. Oft sind Songs schon wieder vergessen, sobald sie beendet sind. Eagulls müssen in Zukunft leider noch beweisen, dass sie zu mehr taugen, als zu einem kurzfristigen Hype. Wir werden auf jeden Fall dran bleiben, denn das Album macht so oder so trotzdem Spaß!

Eagulls auf Tour

21. April 2014, Köln – Blue Shell
22. April 2014, Hamburg – Hafenklang
25. April 2014, Berlin – Magnet

Facebook // Website

Musik von Eagulls bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive