Rezensionen

Dry The River – Shallow Bed

Eigentlich müssten Dry The River komplett in Großbuchstaben geschrieben werden, denn an dieser Band ist irgendwie alles groß. Jeder Song dieser Band schwingt sich zu einer Hymne auf, macht das aber so gekonnt, dass es nie aufdringlich oder aufgesetzt wirkt.

Aber von Anfang an. Circa 2010 veröffentlichten diese fünf Jungs aus dem Osten Londons, in denen man einen Sprachwissenschaftler, einen klassisch ausgebildeten Geiger und einen Punk-Musiker antrifft, ihre erste EP „Bible Belt“. Die fand auf ihren Konzerten reißenden Absatz und der Name Dry The River machte bald die Runde.

So tourten sich die Jungs dann auch in den vergangenen Jahren den Arsch wund und veröffentlichten eine Single nach der anderen. Das belohnte nun auch der BBC mit einer Listung der Band in ihrer Sounds of 2012 Liste. Damit ist natürlich der große Durchbruch für Dry The River vorprogrammiert.

Zwischen Tourneen und Singles stellte die Band im vergangenen Winter auch ihr Debüt „Shallow Bed“ fertig, das wir nun in Händen halten dürfen. Das erste was auffällt ist, dass man bereits sehr viele Songs kennt. Aber das ist ja auch kein Wunder, schließlich spielte die Band in den letzten Jahren unzählige Konzerte und veröffentlichte wie gesagt viele Singles. Und als Newcomer hat man meist nur ca. 15 Songs, da gibt es für Fans, die von Anfang an dabei sind eigentlich erst einmal nichts Neues zu entdecken.

Dry The River

Bekannte Zutaten clever vermischt

Nichts Neues ist auch ein gutes Stichwort für den Sound der Band. Da mischen sie vieles von dem, was in den letzten Jahren populär war. Indie-Rock mit einer gewissen Punk-Attitüde und natürlich einer Prise Folk. Das klingt dann wie Coldplay, die auf die Fleet Foxes treffen und gemeinsam einen Rocksong fabrizieren. Das ganze reichern sie mit einem pastoralen Charme an, mit dem sie gerade in ruhigen Momenten auch berührende Klänge erzeugen.

Gerade der mehrstimmige Gesang, der von Peter Liddle mit weichem Falsett angeführt wird verleiht diesen Stücken eine ganz einzigartige Note. Er schwingt sich in den Refrains bis in die höchsten Sphären und nutzt einen Pathos gegen den ein Meat Loaf alt aussieht. Gemeinsam mit fetten Gitarren, Trompeten und einer clever eingesetzten Geige sorgt das für den ein oder anderen Gänsehaut-Moment. Stücke wie „New Ceremony“ und „The Chambers & The Valves“ wirken damit quasi wie die Blaupause eines Rocksongs 2012. Selsbt Schmalz wie „I Love You In The Best / I Love You In The Best Way Possible“ bei „No Rest“ stören dabei nicht, sondern passen einfach ins Bild.

Dagegen stehen Stücke wie „History Book“, die ruhig vor sich hin tänzeln und mit viel Hall eine ähnliche Stimmung zu erzeugen vermögen wie es Wild Beasts beispielsweise auf „Two Dancers“ geschafft haben. Auch „Bible Belt“ ist so ein Stück. Ruhiger Folk in der Nähe der Fleet Foxes, wieder mit Geigen und Trompeten und dieser typischen Dry The River Note.

Und da wie gesagt alles an dieser Band groß ist, gibt es gegen Ende auch noch einmal einen ganz großen Moment. Mit „Lion’s Den“ nämlich. Zunächst spielen sich Dry The River ganz sanft durch die ersten Minuten des Stücks. Peter Liddle erzählt still und die Band begleitet ihn in einem ruhigen Rhythmus. Was dann folgt ist ganz großes Rockkino. Mit Geigen, einer fetten Gitarrenwand und einem herrlich schreienden Peter Liddle schwingt sich die Band hier in bisher unerreichte Sphären und erzeugt eine großartige Hymne.

Wie gesagt, alles an diesem Album ist groß und Dry The River wohl auch ohne Zweifel ein Name, der bald groß im Geschäft sein dürfte. Natürlich, viele Songs waren bereits bekannt, aber das war ja auch bei zum Beispiel Young Rebelt Set’s Debüt „Curse Our Love“ so und es war zweifelsohne dennoch ein tolles Album. Der ein oder andere wird sich vielleicht auch am fetten Sound der Band stören. Aber er passt eben auch einfach. Freunde fragiler Sounds hören sich dann lieber andere Alben an.


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Discussion

  1. […]  Eine ausführlichere Kritik gibt es bei den WhiteTapes. […]

    Posted by Platten des Monats. März 2012 « hulza | März 29, 2012, 12:05 pm

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