Rezensionen

Doves – Kingdom Of Rust

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Wilmslow in Cheshire, das ist die Heimat der Doves, in die sie sich die letzten vier Jahre verzogen haben, um an ihrem vierten Album zu werkeln. Extra dafür mietete sich das Trio sogar eine Farm an, um ungestört von Familie und Alltag den Songs den letzten Schliff zu geben. Das es vier Jahre dauerte liegt wohl vor allem daran, dass die Band nie wirklich zufrieden mit den Ergebnissen war. So kann der Release von „Kingdom Of Rust“ nun also schon als Qualitätsgarantie der Band verstanden werden, die nun endlich zufrieden mit dem Ergebnis war. Aber Brit-Pop höchster Qualität ist man spätestens seit „The Last Broadcast“ von Jimi Goodwin, Jez Williams und Andy Williams gewöhnt. Das Erste, was dann jedoch aufhorchen lässt ist die Wahl der Produzenten, dafür wurden nämlich Dan Austin (Massive Attack) und John Leckie (XTC, Stone Roses, Radiohead) rekrutiert, die sich in den letzten Jahren vornehmlich Industrial einen Namen machten.

Glücklicherweise nimmt „Kingdom Of Rust“ einem schnell die Angst nun elektrifzierte Doves vorzufinden, vielmehr liefert das Album die Erkenntnis, dass die Band sich treu geblieben ist und über vier Jahre offensichtlich noch mehr zu sich gefunden hat. Der Opener „Jetstream“ (den es vorab auch auf der Homepage der Band zum Download gab) überrascht dann erst einmal dennoch, mit seinem stakkato-artigen Bass, elektronisch scheppernden Drums zieht und der sphärischen Stimme Jimi Goodwin’s, breitet er sich episch aus. Der folgende Titeltrack hingegen zeigt die Band direkt wieder von ihrer Brit-Poppigen Seite. Durch den Einsatz einer Country-Gitarre bewahrt sich die Band selbst davor trotz stark an Coldplay erinnernder Soundstruktur zu sehr nach eben Coldplay zu klingen. Vielmehr kommt hier das erste Mal der Gedanke an die Mancurians von Elbow auf. In der Folge geht es extrem facettenreich weiter, mit „The Outsiders“, der die erste Up-Tempo Nummer darstellt und mit verzerrten Gitarren und gehetztem Gesang von Existenzängsten erzählt. Das folgende „Winter Hill“ klingt dann, als könne es auch so von The Verve stammen, mit einem Refrain, der beinahe an U2 erinnert. Hier zeigt sich für die Doves das gleiche Problem, das auch die Genre-Kollegen von Starsailor haben, im melancholischen Pop-Kosmos, aus dem sich die Bands bedienen haben Bands wie U2, The Verve und Coldplay eben schon vieles abgegrast und beinahe zu Klischees verarbeitet, so dass es manche Bands schwer haben sich noch wirklich abzugrenzen. Die Doves tun sich auf „Kingdom Of Rust“ stellenweise auch schwer, reißen das Ruder dann aber immer wieder rum. Besonders beeindruckend im Track „10:03“, ein Song, der in typischer Balladenform startet, sich dann in ein beinahe an Underworld erinnerndes Beat-Gewitter steigert und am Ende zu einem Rocksong wird. Und das alles in 4 Minuten. In der Folge gemahnt die Band vor allem immer wieder an ihre Vergangenheit, ohne sich jedoch selbst zu kopieren, oder an Elbow im im etwas fröhlicheren Gewand und macht dabei vor allem eines, Laune auf mehr. Die vergeht einem allerdings beim Song „Compulsion“ schon sehr, ein Song mit dumpfem Bass, flirrenden Gitarren und seltsam nach hinten gemischtem Gesang, der ganz klar den Tiefpunkt, aber auch einzigen wirklichen Ausreißer nach unten, darstellt. Mit den stimmigen Mid-Tempo Nummern „House Of Mirrors“ und „Lifelines“ nimmt „Kingdom Of Rust“ dann auch einen stimmigen Ausklang und hinterlässt einen mehr als soliden Gesamteindruck, der vor allem von der sehr starken ersten Hälfte bestätigt wird.

Video zu „Kingdom of Rust“

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