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Douglas Dare – Aforger

Douglas Dare - Aforger

Vor mehr als drei Jahren verzauberte der junge Engländer Douglas Dare ganz allein an einem Flügel die Besucher des Haldern Pop 2013. Also zumindest die Besucher, die es schafften, für sein Set einen der wenigen Plätze im eng besetzten Tonstudio Keusgen zu erlangen. Auch, wenn das maximal 100 Leute waren, machte der Name des Musiker im Anschluss die Runde unter den Festivalbesuchern, weshalb am Ende von mehr Menschen überschwänglich von ihm geschwärmt wurde, als überhaupt Platz in der Location fanden.

Das gab auch ein wenig seiner Debüt-EP „Seven Hours“ Auftrieb, nach der man nur noch sehnsüchtiger auf das Debüt „Whelm“ wartete, auf der Douglas mit gefühlvollen Pianomelodien, feinsinnigen Texten und herzzereißendem Gesang berührende Klangwelten erzeugte, die nachhaltig Eindruck machten. Fast genau zweieinhalb Jahre sind seit diesem Debüt vergangen. In dieser Zeit tourte Douglas Dare quer durch Europa und die Welt, durchlebte eine Trennung und fasste den Mut, sich gegenüber seinem Vater zu outen, wie man hier und da zum neuesten Album nachlesen kann.

Alles prägende Erfahrungen, die Douglas in neue Songs einfließen ließ, die er unter anderem auf Tour geschrieben hat. Wieder gemeinsam mit Drummer und Multiinstrumentalist Fabian Prynn, der das Album auch mit produzierte, nahm er diese Stücke in den berühmten Abbey Road Studios auf. Neben seinen Erfahrungen ließ er auch Konzepte aus „1984“ von George Orwell – zum Beispiel der Titel des Openers „Doublethink“ stammt daraus – und Gedankenspiele über Realität, Identität und Persönlichkeit einfließen.  Natürlich greift er die Themen nicht nur textlich, sondern auch musikalisch auf und so hinterfragte Douglas Dare erst einmal, was ihn als Musiker ausmacht. Daher auch seine ursprüngliche Entscheidung auf das Piano zu verzichten. So ganz hat er das Konzept nicht durchgezogen, das prägende Element der Songs ist es dafür aber nicht mehr allein. Vielmehr dominieren elektronische Elemente in verschiedenen Ausprägungen, die dem Album einen an James Blake und das Solo-Schaffen von Thom Yorke erinnernden Charakter geben. Trotzdem bauen alle Song immer noch eindeutig auf dem Piano auf.

Die Bandbreite ist dabei groß. In „New York“ lässt er beispielsweise leicht soulige Elemente einfließen, ergänzt um zerfranste elektronische Einspielungen, dunklen, schwermütigen Gesang und wunderbaren orchestral angehauchten Pomp. Einer der Höhepunkte des Werks ist sicherlich auch der Vorabtrack „Oh Father“, bei dem Douglas Dare zu schweren Pianoklängen und leichten Synthies wehklagt. Schwere Geschütze fährt der Musiker bei „Binary“ auf. Ein Stück mit Einflüssen aus dem Dubstep mit wohl platzierten Dissonanzen und knackigen Beats, das in der Mitte plötzlich einen Bruch erfährt und in einer gefühlvollen Pianoballade endet. Auch am Ende hat der Londoner mit „Rex“ einen von vielen Glanzpunkten platziert. Aus der Düsternis der schweren Beats und knarzenden Elektronik strahlen Klavierklänge tritt die helle Stimme von Douglas Dare hervor, der über sieben Minuten über Verlust und Verrat singt und ein Album beendet, das sicherlich als nächster großer Meilenstein auf dem Weg des Musikers bezeichnet werden darf.

 

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