Rezensionen

DIVAN – Modern Knowledge

DIVAN - Modern Knowledge

Mit dem gemeinsamen Musizieren ist es manchmal, wie mit der Kaderzusammenstellung eines Fußballteams. Teilweise klappt es im ersten Anlauf, eine ausgewogene Mischung zu finden, die zusammen funktioniert, häufiger braucht man jedoch viele Wechsel, bis man gemeinsam zum Erfolg kommt. Wilco feierten noch größere Erfolge, als die Vorgängerband, nachdem Jeff Tweedy mit einigen seiner ehemaligen Mitstreiter von Uncle Tupelo und neuen Musikern den zweiten Anlauf wagte. Auch Ben Gibbard wurde trotz Kultstatus von The Postal Service erst durch Death Cab For Cutie weltweit bekannt. Auch die drei Musiker von DIVAN blicken auf eine derartige Geschichte zurück. Nach verschiedenen Ausflügen als The Ambience Affair (Jamie Clarke und Marc Gallagher), bzw. Tomorrows, The Ghandis und Biggles Flys Again (im Fall von Conor Deasy) fand sich die Band zu ihrer heutigen Besetzung zusammen. Durch die Zusammenarbeit haben sie einen Stil gefunden, der ihnen nun ebenfalls einen Weg zu etwas mehr Bekanntheit ebnen könnte, als sie ihn mit den Vorgängerprojekten erlangten. Dafür haben sie sich mit Brent Knopf als Produzenten jemanden verpflichtet, der nach seiner Zeit bei Menomena, und neben seinem Projekt Ramona Falls, derzeit zusammen mit Matt Berninger sein Glück als El Vy gefunden hat.

Kombiniert man nun die Vergangenheit der Musiker, sowie von Brent Knopf mit den Einflüssen Grizzly Bear, Death Cab For Cutie und Wilco, die von DIVAN gern genannt werden, kristallisiert sich schnell ein Bild vom Sound heraus, das die Band mit dem Opener „Shards“ sogleich bestätigt. Ein percussiver, ideenreicher, folkig angehauchter Song, der sich atmosphärisch steigert und leidenschaftlich windet. Die Weite die der Song gegen Ende entwickelt, im Zusammenspiel mit einem Hang zu dramatisch choralem Gesang, sorgt für eine erhebende Stimmung, durch die man sogleich vom Album mitgerissen ist. Das anschließende „Sale Of Lakes“ nimmt die Weite des Openers auf und kombiniert einen leicht verschrobene Gesang mit einer langsamen aber zackigen Melodie zu einem Stück, mit dem DIVAN durchaus Erinnerungen an Menomena wecken. Auch die bereits angedeutete Grizzly Bear Referenz findet sich wieder, nämlich im luftigen „A Clarity Appears“, das mit hohem Hintergrundgesang und abgehackten Gitarrenklängen aufwartet. Das bedeutet natürlich nicht, dass DIVAN sich auf „Modern Knowledge“ nur auf die Wiedergabe ihrer Einflüsse berufen. Sie schaffen es viel mehr, einen ganz eigenen, und gern auch mal eigenwilligen, Sound zu entwickeln, der euphorische Momente, dynamische Songs und ebenso nachdenkliche Stücke bietet. Die Melodien sind dabei manchmal voll von anspruchsvollen Ideen und geschichteten Instrumenten und im nächsten Song dann wieder nur aufbauend auf akustischer Gitarre und leicht geschlagenen Drums. Dieses Spiel mit Gegensätzen und der Anspruch der Musiker, auch vor Experimenten nicht zurückzuschrecken, macht „Modern Knowledge“ so hörenswert und führt vielleicht ja wirklich dazu, dass DIVAN bald mehr als nur ein Geheimtipp sind.

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