Rezensionen

Desaparecidos – Payola

Desaparecidos – Payola

Mehr als drei Jahre sind bereits seit der Comeback-Meldung der Saddle Creek Kultband Desaparecidos um Bright Eyes Mastermind Conor Oberst vergangen. Wegen des großen Outputs von Conor und dem Spaß, den er damals allem Anschein nach mit dem Comeback seiner Punk-Truppe hatte, rechneten wir mit einem baldigen Albumrelease.

Es kamen allerdings nur die Singles „MariKKKopa“, „Backsell“, „Anonymous“, „The Left Is Right“, „Te Amo Camila Vallejo“ und „The Underground Man“, die teils von der damaligen Occupy-Bewegung inspiriert waren und sich teils um die schlechte Behandlung von Migranten an der US-Mexikanischen Grenze drehten.

In der Zwischenzeit schien Conor Oberst dann auch ein wenig den musikalischen Ausdruck in Form von Folk-Musik zu vermissen und so erschien erst einmal 2014 sein zweites Solo-Album „Upside Down Mountain“ und eine ausgedehnte Welttournee mit Dawes als Begleitband, bevor er sich endgültig in die Arbeit am Nachfolger des Desaparecidos Debüts „Read Music / Speak Spanish“ schmiss.

Der zweite Streich von Desaparecidos trägt den Namen „Payola“ und wurde, wie könnte es auch anders sein, von Mike Mogis (First Aid Kit, Bright Eyes, uvm.) mit produziert. Neben den sechs bekannten Songs finden sich acht komplett neue Stücke auf dem Album. Prominente Gäste gibt es natürlich auch. Darunter zum Beispiel Saddle-Creek Legende Tim Kasher (Cursive und The Good Life), der bei der Vorabsingle „City On The Hill“ mitmischt, die Against Me! Frontfrau Laura Jane Grace und die New Yorker Punk-Band The So So Glos. Das Ergebnis ist eine Platte voller Wut im Bauch, die sich sowohl bei den Ursprüngen des Punks, als auch bei amerikanischem Power-Pop bedient. Ganz Punk steht auch politische Kritik auf dem Plan und Desaparecidos rechnen mit der amerikanischen Einwanderungspolitik und den immer schlimmer werdenden Auswüchsen des Kapitalismus ab.

Das bedeutet aber nicht, dass „Payola“ keinen Spaß machen kann. Ganz im Gegenteil, mit seinen schneidenden Gitarren, zackigen Melodien und rumpelnden Drums, zu denen Conor Oberst mit viel Leidenschaft seine Lyrics heraus brüllt, ist „Payola“ extrem kurzweilig geraten. Stücke, wie „Radicalized“ und „Anonymous“ haben dadurch fast schon etwas hymnisches und verleihen politischem Protest eine angenehm unterhaltsame Note, die manchen Punk-Rock Veteranen gut zu Gesicht stehen würde. Vor allem zeigen Desaparecidos, dass Punk und politischer Protest auch abseits der linken Hardcore Szene noch sehr gut funktionieren und auch eine Anreicherung mit Pop-Elementen nicht an der Glaubwürdigkeit rüttelt.


Desaparecidos – City On The Hill on MUZU.TV.

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