Rezensionen

Delphic – Acolyte

Dass das französische Label Kistuné alles andere als einen schlechten Riecher für richtig gute Elektro-Bands hat dürfte wohl nichts Neues sein. Für das Release-Jahr 2010 zeigten die Rotfüchse ein so gutes Händchen, dass sich gleich zwei Bands des Labels in der BBC Liste der Newcomer, die man 2010 im Auge behalten sollte, wiederfinden. Darunter neben den Nord-Iren vom Two Door Cinema Club (hier im Interview) auch die Mancunians von Delphic. Letztere waren bereits auf Tour mit Bloc Party und überzeugten dabei auch bereits in ganz großen Hallen. Nun legen sie auch ihr Debüt vor und müssen sich nach vielen Vorschusslorbeeren dann direkt beweisen.

Dabei greifen sie ganz tief in die heimische Referenzkiste und mischen neben ihren Buddies von Bloc Party auch gleich noch die Lokalhelden von New Order mit in ihren Sound. Entsteht aber dabei nur ein bloßer Abklatsch, oder hat das was Delphic auf „Acolyte“ machen auch Hand und Fuß? Der Opener „Clarion Call“ packt mit atmosphärischer Stimmung, coolen Beats und ordentlich Druck den Hörer beim Trommelfell und zieht ihn gleich in seinen Bann. Da es sich hier um Elektro-Pop handelt geht das Stück natürlich beinahe nahtlos in „Doubt“ über. Ein Stück, das gern als ein potentieller Indie-Hit des Jahres gesehen werden darf. Hier gibt es unterhaltsame Vokalübungen, einen eingängigen Refrain und mitreißende Gitarren. So richtig neu klingt das zwar nicht, macht aber dennoch Spaß, genau wie der nächste Hit „This Momentary“. Der donnert in Richtung Refrains förmlich aus den Boxen und kommt in den Strophen etwas zurückgenommener daher. Damit haben Delphic aber ihr Hit-Pulver auch früh verschossen. Was folgt ist dann meist eine ziemlich sterile und abgedroschene Sache. Es wurden zwar mit großer Liebe zum Details viele kleine Spielereien in die Songs verwoben, nur sind die Stücke meist nach einem typischen Elektro-Rock / -Pop Schema durchdekliniert, das man so schon ziemlich häufig gehört hat. Das setzen Delphic alles andere als schlecht um, ein wenig mehr Eigenständigkeit, oder auch nur etwas mehr Mut hätten ihnen aber vielleicht an der ein oder anderen Stelle auch nicht geschadet. Ein Stück wie „Submission“ könnte man nämlich beinahe schon als mehr als nur eine Hommage an New Order verstehen. Das soll alles nicht heißen, dass man nicht auch ein wenig Spaß mit dem Album haben kann, der legt sich nur leider auch schnell wieder.

Rating: ★★★☆☆
Delphic
Auf Tour kommen Delphic auch:

03. Februar, Hamburg, Molotow
09. Februar, Berlin, Bang Bang Club
10. Februar, München, 59:1
13. Februar, Köln, Subway


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