Rezensionen

Delay Trees – Readymade

Delay Trees - Readymade

Als die Finnen von den Delay Trees im Januar 2011 bei uns ihr selbstbetitelten Debüt veröffentlichten hatten wir die Band nicht wirklich auf dem Plan und so ging sie still und leise an uns vorbei. So verpassten wir eine großartige Band, deren Debüt uns für die nächsten Jahre begleiten sollte. Das würden wir so in etwa schreiben, hätte die Band damals nicht auch in Münster im Vorprogramm von I Like Trains gespielt. Nachdem wir den Finnen wie jeder Vorband mit gesunder Skepsis gegenüber traten, wurden wir in der nächsten halben Stunde gefangen genommen von träumerischen Sounds, druckvollen Soundwänden und teils hymnischen Refrains.

So waren wir das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit wieder angetan von einer Vorband und beschäftigten uns in der Folge auch mit dem Debüt der Delay Trees. Das sollte sich dann auch lohnen, denn darauf bietet die Band bekanntlich eine gekonnte Mischung aus Dreampop, Shoegaze und Indie-Rock, die ruhige Momente mit krachenden Soundwänden kombiniert und für uns ein treuer Begleiter für die nächsten Jahre wurde, von dem man sich immer wieder mit auf eine Reise nehmen lassen kann.

Nur etwas mehr als ein Jahr später legte die Band aus Finnland auch schon ihr zweites Album „Doze“ nach. Ein wenig mehr Zeit hätte der Band zwischen den Alben vielleicht gut getan. „Doze“ zeigte zwar auch die Stärken der Band, stellte jedoch vor allem eine homogene Suppe, die mehr nach Ambient und Easy Listening klang als nach einem ambitionierten Dreampop-Album. So ist es vielleicht gut, das seit dem Release des zweiten Delay Trees Albums nun zwei Jahre vergingen und Frontmann Rami sich mit seinem Nebenprojekt 23:23 ein wenig austobte. „Readymade“ ist ein Album, das den Hörer laut der Band „overwhelmed with emotions and weird sensations in the heart“ hinterlassen soll. Nach einem kurzen Intro bietet die Band mit „Fireworks“ einen wunderbar euphorisierenden Opener, in dem Delay Trees auf ihre ganz unnachahmliche Art und Weise Melancholie und Hoffnung zu einem 1A Popsong vermischen, der direkt Lust auf mehr macht. Ganz so euphorisch bleibt es in der Folge nicht, dennoch entwickelt „Readymade“ eine beinahe traumwandlerische Atmosphäre aus butterweichen Gesangsstrukturen, sanften Klangteppichen und eingängigen Melodien. Dadurch fällt es im Verlauf fast schwer einzelne Songs hervorzuheben, da sie teils unbemerkt ineinander übergeben. Zumindest fühlt es sich so an wenn die Band schwerelos durch die Stücke schwebt. Zwar gelingt es Delay Trees nicht wie angestrebt den Hörer mit Emotionen zu überschütten und für seltsame Gefühle im Herzen zu sorgen, doch ist „Readymade“ dennoch ein angenehmes Album zum nebenbei hören und zum dösen mit einer Tasse Tee bei winterlichen Temperaturen.

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