Rezensionen

Delay Trees – Doze

Delay Trees

Geschichte wiederholt sich bekanntlich gerne. Auch im Kleinen, zum Beispiel bei Musikern. So veröffentlichten die Finnen von den Delay Trees vor relativ genau zwei Jahren ihr selbstbetitelte Debüt in ihrer Heimat. Europa schien noch nicht so weit zu sein und musste dann noch bis Februar 2011 auf dieses wunderbare Stückchen Dream-Pop warten, dass es 2011 dann auch zurecht in unsere Jahresbestenliste schaffte. Auch 2012 scheint sich diese Geschichte nun zu wiederholen. Finnland genießt jetzt schon etwa einen Monat „Doze“, das zweite Album der vier Finnen. Ein Deutschland-Release ist wohl auch geplant, der Termin steht allerdings noch nicht fest und wir bezweifeln, dass es noch in diesem Jahr soweit ist. Aber dafür gibt es ja Importe und so kann man auch in Deutschland wieder die ruhigen, sphärischen Klangwelten von Delay Trees als Soundtrack für Ausflüge in seine eigenen kleinen Tagträume verwenden. Mit neuem Label im Rücken scheinen Delay Trees auch einen neuen Wegen einschlagen zu wollen. Wo die Songs des Debüts häufig in einen gewissen Bombast mit Shoegaze- und Post-Rock-Elementen abdrifteten, lassen sich die Jungs jetzt noch mehr Zeit für die Entfaltung ihrer Melodien. Die Songs verschwimmen ineinander, was auf Albumlänge viel Material zum Entdecken bietet.

Bestes Beispiel ist schon der Opener. Wo sich „Gold“ langsam hochschraubte und eine Klangebene auf die nächste geschichtet wurde, um im Ergebnis einen packenden beinahe poppigen Song zu ergeben, der direkt ins Ohr ging, geht es „Decide“ ganz langsam an. Die anfängliche Stille wird von einer leise angeschlagenen E-Gitarre und einer Gesangsstimme mit ganz viel Hall durchbrochen. Die folgenden vier Minuten gestalten sich dadurch beinahe besinnlich. Das bedeutet auch in der Folge, dass Delay Trees den Hörer mehr fordern als noch beim Debüt. Die seinerzeit über dichte, atmosphärische und auch eingängige Melodien, gewachsene Beziehung wird geprüft. Wer Delay Trees wegen der gekonnten Verquickung von Eingängigkeit, großen Soundwänden und melancholischer Klangwelten lieben gelernt hat, der muss sich neu auf die Band einlassen. Die Band experimentiert auf Albumlänge nun mit meist spärlich instrumentierten und sich langsam aufbauenden Songs. Soundwände sucht man beinahe vergebens. Die werden ersetzt durch ausufernde Klangteppiche, die sich teils auf bis zu acht Minuten ziehen. „Future“ stellt dabei einen ziemlichen Bruch dar. Statt mit angezogener Handbremse rast die Band hier mit vergleichsweise hohem Tempo durch den Song, verzichtet dabei aber ganz auf Gesang und bietet ein seltsam fröhliches Instrumentalstück, das nicht so recht auf „Doze“ passen möchte. Das bliebt aber die Ausnahme.

Die meisten Stücke auf „Doze“ funktionieren nach dem einfachen Schema „langsamer Einstieg mit nach und nach einsetzenden Instrumenten, dann lethargisch einsetzender Gesang mit etwas Hall und das ganze über drei bis sechs Minuten laufen lassen“. Highlights sind dadurch rar gesät, ein mehr als geeigneter Soundtrack für den Herbst mit gutem Songwriting ist das zweite Album von Delay Trees aber dennoch.


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Discussion

  1. […] Woche ist es endlich soweit, weniger als eineinhalb Jahre nach ihrem zweiten Album “Doze” veröffentlichen die Finnen von den Delay Trees mit “Readymade” ihr nunmehr drittes […]

    Posted by Delay Trees – neues Album “Readymade” im Stream | WhiteTapes | Januar 3, 2014, 4:05 pm
  2. […] etwas mehr als ein Jahr später legte die Band aus Finnland auch schon ihr zweites Album “Doze” nach. Ein wenig mehr Zeit hätte der Band zwischen den Alben vielleicht gut getan. […]

    Posted by Delay Trees – Readymade | WhiteTapes | Januar 9, 2014, 11:12 am
  3. […] Januar veröffentlichten Delay Trees weniger als eineinhalb Jahre nach ihrem zweiten Album “Doze” bereits den Nachfolger “Readymade”. Also zumindest in […]

    Posted by Delay Trees – neue Single “Fireworks” im Stream | WhiteTapes | März 28, 2014, 11:32 am

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