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Dear Reader – Replace Why With Funny

dearreaderreplacewhywithfunnyBuschtrommeln und Weltmusik-Einflüsse waren im verganenen Jahr einer der Hypes in der Indieszene. Da ist klar, was der Hörer erwartet, wenn jetzt eine Indie-Band aus Südafrika daher kommt. Eben auf diese Einflüsse bauen Dear Reader aber nicht, Buschtrommeln und Weltmusik haben mit dem Sound der Band in etwa so viel zu tun, wie Howard Carpendale mit guter Musik. Die klanglichen Referenzen des Duos bestehend aus Sängerin Cherilyn McNeil und Bassist / Keyboarder (und Grammy-Gewinner) Darryl Torr finden sich eher im kanadischen Indie-Folk, bei The Arcade Fire, oder beim Amerikaner Sufjan Stevens und in der englischen Pop-Musik. Ein Gegensatz in Klang und Herkunft, der perfekt zu Dear Reader passt. In ihrer Heimat sind sie zwar Bestandteil der dominierenden weißen Minderheit, gehören dieser als Nachfahren von Engländern aber dennoch nicht an. Kein Wunder also, dass sich Dear Reader als Fremde in ihrer eigenen Heimat fühlen.

Aufgenommen haben sie ihr Debüt zusammen mit dem Labelkollegen Brent Knopf von Menomena, mit dem sie sich zwei Wochen in einem ehemaligen Hochsicherheitstrakt verschanzten, um an ausgefeilten Arrangements in einfachen Popsongs zu arbeiten. Wieder ein Gegensatz? Ja, aber einer, der sich im Hören erschließt, denn von Beginn an schillert und funkelt „Replace Why With Funny“. Schon im Opener „Way Of The World“, der ruhig beginnt und sich, wie die meisten Stücke zu einem Stück wunderschönem Pop mit leicht schrägen Geigen und eingängiger Melodie entwickelt. Dabei immer im Vordergrund Cherylin’s markante Stimme, in die sich der Hörer von der ersten Silbe an verliebt. Eine Stimme, die sie mal sanft und zart in die Songs haucht, mit der sie aber auch lautstark lamentiert. So gestalten sich auch die stärksten Songs des Albums, wie „Great White Bear“, oder „What We Wanted“, die ruhig beginnen und sich zu orchestral, bombastischen Indie-Pop-Meisterwerken hochschaukeln, letzteres sogar mit einem mehrstimmigen Chor verbunden. Ähnlich wie die Songs entwickelt sich auch das Album vom sanften Folk zu Beginn zu immer bombastischeren, orchestraleren Klängen. Immer zwischen poppig schillernd und verschroben knarzend wächst das Album in die Höhe, bis zum finalen Knall im Hidden Track am Ende des Albums, in dem sich die Instrumente druckvoll, eins nach dem anderen auftürmen und sich mit einem Chor zum versönlichen Showdown treffen. Danach bleibt nur eins, Repeat drücken und weiterhören, zu fesselnd sind die Dramatik und das Gesamtarrangement des Albums, als dass man sich mit 10 Stücken begnügen möchte. Für uns schon jetzt eines der Alben des Jahres und eines, dass auch nach dem 10ten Durchlauf einfach nicht langweilig werden will.

Myspace // Label

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