Rezensionen

Daughter – Not To Disappear

Daughter - Not To Disappear

Der Erfolg von Daughter fällt wohl eindeutig unter die Kategorie „Selbsterfüllende Prophezeiung“. Das liegt ganz einfach daran, dass die Band Anfang 2013 durch die Nennung in der BBC Longlist für den BBC Sound of 2013, vom Geheimtipp zu einem der potentiellen Durchstarter für’s Jahr wurden. Es folgten Chartplatzierungen in den USA und dem UK für das Debüt „If You Leave“ und jede Menge Platzierungen in Serien, wie Grey’s Anatomy, Skins, Teen Wolf und mehr.

Ein Erfolg, der dennoch bemerkenswert ist, weil die Musik von Daughter damals völlig an den Trends der Musikszene vorbei ging. Das Londoner Trio bediente sich nämlich vor allem bei Shoegaze, Post-Rock und Dreampop und erzeugte atmosphärisch dichte und teils schwermütige Stücke mit meditativer Sogwirkung irgendwo in der Nähe von Esben & The Witch, Woman’s Hour und Cocteau Twins, und entfernt mit Elementen von The xx.

Drei Jahre später sind Daughter nun mit ihrem zweiten Album „Not To Disappear“ zurück. Das Album kündigten sie mit drei Kurzfilmen an, die von Iain Forsyth und Jane Pollard (Regisseure des Nick Cave Films „20,000 Days On Earth“) produziert wurden.

Filme in düsteren, satten Farben gezeichnet, die gleich zeigten, dass Daughter ihren Sound trotz des Erfolges nicht zu sehr aufgehellt haben und man sich als Fan auf die Klänge freuen darf, die man vor drei Jahren so lieben lernte. Produziert wurde „Not To Disappear“ in Brooklyn in den Vernhes Studios von Haefeli und Nicolas Vernhes, die auch schon für Deerhunter, Spoon, Wild Nothing und Animal Collective gearbeitet haben. Mit der Unterstützung des Duos haben Daughter ihren Sound auf die nächste Ebene gehoben. Die Instrumentierung ist eine Spur elektronischer und die Stimmung noch dichter. Die Themen auf „Not To Disappear“ sind vom typischen Existentialismus geprägt, der Daughter schon auf dem Debüt zu Gesicht stand.

Nachdenkliche Texte über Zugehörigkeit, Einsamkeit, die Liebe und vor allem das Scheitern dieser. Häufig mit nüchternen, distanzierten Betrachtungen und mit viel Weite instrumentiert und wohl gesetzten Akzenten, sowie plötzlichen Melodiewechseln aus dicht aufgetürmten Soundwänden, treibenden Rhythmen und plötzlichen Brüchen. Das erzeugt Stimmungen, die in der einen Sekunde warm umschmeicheln und einen im nächsten Moment in finstere Abgründe blicken lassen. Das macht „Not To Disappear“ zu einem fesselnden Werk mit atemberaubender Stimmung und faszinierender Schönheit, mit dem Daughter zurecht auch in Deutschland über den Status Geheimtipp hinaus wachsen dürften.

Daughter auf Deutschland-Tour

31. Januar 2016, Köln – Live Music Hall

01. Februar 2016, Hamburg – Gruenspan
07. Februar 2016, Berlin – Huxleys Neue Welt
08. Februar 2016, München – Technikum

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