Rezensionen

Cursive – Mama, I'm Swollen

Es gibt diese Alben, die begleiten einen intensiv über einen bestimmten Lebensabschnitt und führen, wenn man sie einige Jahre später hört zu diesem schönen nostalgischen Bauchgefühl. Jimmy Eat World’s „Clarity“ ist eines dieser Alben, dass ich vor knapp 10 Jahren mit zarten 15 Jahren intensiv hörte. Auch „The Ugly Organ“ von Cursive ist eines dieser Alben. Ein Album, dass eine waghalsige und schizophrene Reise in die seelischen Abgründe des Tim Kasher darstellte, mit vertrackten Melodien und irrsinnigen und vor allem düsteren Geschichten, die aus seinem tiefsten Herzen kamen. Am Ende stand ein Happy End, wie auch bei JEW’s „Clarity“. Zufall? Das ewige Streben nach einem Happy End im eigenen Leben? Stellen wir diese Frage einmal zur Seite und widmen uns lieber dem neuen Cursive Album „Mama, I’m Swollen“.

Streng genommen ist es nicht nur das „neue“ Cursive Album, sondern für vielleicht auch das erste „richtige“ Studioalbum der Band seit dem 2003er „The Ugly Organ“. Das 2005er „The Difference Between Houses and Homes“ war „nur“ eine Sammlung alter Aufnahmen und das Konzept-Album „Happy Hollow“ war zu reduziert auf das Konzept bombastisch das Bild einer fiktiven amerikanischen Kleinstadt zu zeichnen, als wirklich ein gelungenes, oder gar ernstzunehmendes Album zu sein. Auf „Mama I’m Swollen“ rückt Tim Kasher wieder jedes gekünstelte Konzept beiseite und widmet sich vor allem einem, den Songs. Die leben dann wieder vor allem von Kasher’s herrlich paranoid lamentierendem Gesang. Dazu gesellen sich wieder gewohnt schrammelige Gitarren, die sich von Trompeten untermalt, zusammen mit dem Gesang in labyrinthartige Songstrukturen ergießen. Das Cello, das auf „The Ugly Organ“ den Sound signifikant mitgeprägt hat und auf „Happy Hollow“ durch bombastische Trompetensounds ersetzt wurde, wurde nun durch gekonntes Bassspiel ersetzt. Auch die Trompeten wurden aus dem Bombast auf ein gesundes Maß zurückgeschraubt. Die Themen sind wie immer grausam ehrliche Beobachtungen der Liebe, von Religion, der Welt und der Menschen, vor allem jedoch der Liebe. Das macht im Ergebnis ein Album, dass vor allem nach Cursive und nicht nach Konzept klingt. Am Besten fasst es Kasher selbst in „Donkeys“ zusammen „We may be Donkeys, but at least, we have a story to tell“.

Video zu „Art Is Hard“ (von „The Ugly Organ“)

httpv://www.youtube.com/watch?v=AtxIJt2J7tg

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