Rezensionen

Crocodiles – Endless Flowers

Crocodiles - Endless Flowers

Kartoffelnasen kennt man ja. Sieht man bevorzugt bei älteren Männern, weil im Alter nun einmal Nase und Ohren weiter wachsen, bis sie riesige Ausmaße erreichen. Kartoffelpimmel sind uns jedoch ganz neu. Bei Crocodiles sieht man aber so ein Exemplar auf dem Cover. Ein androgynes Wesen schlendert eine Treppe runter, hält einen Blumenstrauß, ist ganz nackt und hat eben da wo normalerweise ein Würstchen wäre, eine Kartoffel. Das Bild selbst zeigt zudem ziemlich verwaschene Farben und eine Tapete, wie sie wohl in den späten 70ern oder den frühen 80ern in Mode war.

Und damit sind wir auch zeitlich schon recht nahe an den klanglichen Referenzen der kalifornischen Band, deren Debüt „Sleep Forever“ seinerzeit nur als Import bei uns zu haben war. Da hört man nämlich die Beach Boys, The Ramones und ganz viel The Jesus & Mary Chain. Aber dagegen gibt’s ja nichts einzuwenden, alles drei schließlich großartige Bands. Die Frage ist eher, ob es Crocodiles schaffen mit diesen Referenzen etwas Relevantes zu erschaffen, dass nicht nur nach bereits erwähnten Referenzen klingt. Die Antwort ganz knapp: Ja, sie schaffen es.

Etwas ausführlicher formuliert bieten Crocodiles hier mit ihrem nunmehr dritten Album eine sehr reife Platte. Schrammelgitarren treffen auf sonnige Melodien und teils verhuschten Gesang. Sänger Brandon Welchez, der übrigens mit Dum Dum Girls Frontfrau Dee Dee verheiratet ist, fällt dabei mit einer hübsch rauen Stimme auf, die von Intonation und Klang recht nah an der von Dev Hynes ist. Das passt aber perfekt zum sommerlichen Sound der Kalifornier. Bereits mit dem Opener  und Titeltrack „Endless Flowers“ bieten sie mit dichter Schrammelinstrumentierung und einer gehörigen Prise Pop ein erstklassiges Stück LoFi-Rock zum Schwelgen. Auch „Bubblegum Trash“ bietet diese wunderbar schwermütige Note gepaart mit einer großen Portion Sonnenschein. Ein Song, der ein wenig so klingt, als würden Ash sich plötzlich an Surf-Sounds versuchen. Das klingt jetzt negativer als es ist, denn unter trotz der zuckersüßen Verpackung ist der Song ein echter Hit. Wie eigentlich das gesamte Album. Trotz eines gewissen Hangs zu Pop und eingängigen Melodien, beweist die Band dabei aber immer die notwendige Tiefe, die „Endless Flowers“ zu einem herrlichen Sommeralbum macht.

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Discussion

  1. […] Ich zitiere Ariane: Schrammelgitarren treffen auf sonnige Melodien und teils verhuschten Gesang. […] Trotz eines […]

    Posted by Nico, was hast du eigentlich in der letzten Woche gehört? (Last.fm-Statistik vom 12.07.2012) | nicorola | Juli 12, 2012, 2:29 pm
  2. […] ihrem nunmehr dritten Album “Endless Flowers”, das die Amerikaner von Crocodiles im nicht allzu fernen Berlin aufgenommen haben, ist den […]

    Posted by Crocodiles – Video zu “Endless Flowers” | WhiteTapes | Juli 12, 2012, 2:33 pm

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