Rezensionen

Conor Oberst And The Mystic Valley Band – Outer South

Knappe 15 Jahre verfolgt Conor Oberst nun schon seine Songwriter-Karriere, veröffentlichte unter anderem ein tolles Album mit Commander Venus, ein tolles Album mit Desaparecidos und natürlich viele großartige Werke als Bright Eyes. Ein Projektname, unter dem er mit Release von „Fevers And Mirrors“ das Label des Wunderkinds angehängt bekam. Ein Label, dass ihm auch knapp 9 Jahre immer noch anhängt. Kein Wunder, bewies Oberst in seiner Karriere doch vor allem ein Talent, das der stetigen Weiterentwicklung. So wurde aus dem zerbrechlichen Emo, der er zu Beginn der Bright Eyes war, ein gefestigter, starker Charakter, der trotz Trennung von Langzeitfreundin Maria Taylor merklich zufrieden und glücklich ist. Eine Entwicklung, die er seltsamerweise mit seinem Songwriter-Kollegen Ryan Adams gemeinsam hat. Beide veröffentlichten zudem im letzten Jahr Alben mit ihren neuen Bands, Ryan Adams mit „Cardinology“ das leider vorerst letzte mit den Cardinals und Conor Oberst mit seinem gleichnamigen Soloalbum das erste mit der Mystic Valley Band. Die Stimmung unter den amerikanischen Songwriter-Wunderkindern ist also bestens, auch wenn man Musikern nachsagt, dass sie bessere Alben schreiben, wenn sie unglücklich sind.

Wir wollen Conor Oberst aber nicht sein persönliches Glück absprechen und freuen uns darüber hinaus, dass er mit der Mystic Valley Band eine Reihe Kumpels um sich gescharrt hat, mit denen er in der mexikanischen Mystic Valley eine Art Songwriter-Kommune gegründet hat und mit denen er sich sogar auf der letztjährigen Tour hinreißen ließ auf der Bühne ausgelassen zu spaßen. Die gleiche Tour, auf der er mit diesen Kumpels nun das neueste Werk „Outer South“ schrieb. So heißt es dann auch im Booklet nach einem Zitat von Walt Whitman „I Have Learned That To Be With Those I Like Is Enough“, kein Wunder, dass nun auch der Name der „Mystic Valley Band“ mit auf dem Cover steht. Natürlich auch aus gutem Grund. Denn wie bereits auf der Tour, bei der er auch seinen Kollegen mal das Mikro überließ, hat Conor sein Ego auch bei den Album-Aufnahmen weit zurück gefahren und lässt bei 7 von 16 Stücken seine Kumpels singen. Das führt dann erst einmal zu einer Feststellung, auch wenn man Conor Oberst in seiner langen Karriere eine stetige Weiterentwicklung ansah, scheint er nun erstmals inne zu halten. Aber im Falle von Conor Oberst ist das natürlich ein inne halten auf einem hohen Standard. Ein Standard, der inzwischen Folk-Rock heißt, den er ausgelassen und lebendig mit seiner Mystic Valley Band zelebriert. So ist der Opener „Slowly (Oh Slowly)“ dann auch gleich eine Hymne auf’s Innehalten. Allerdings eine verdammt gelungene mit toller Hammond-Orgel, schönem Refrain und stimmigen Folk-Gitarren. Eine Nummer aber auch, die so bereits auf Mystic Valley Album Nummer 1 gepasst hätte. „To All the Lights in the Windows“ ist dann ein schön langsames Folk-Stück, mit ähnlichen Qualitäten, wie „Slowly (Oh Slowly)“. Conor Oberst versteckt sich nicht hinter verwobenen Songstrukturen, verwirrenden Stimmungswechseln und schwierigen Metaphern, sondern vermittelt seine Texte so direkt wie nie. Fraglicher sind da schon die Einsätze der anderen Sänger, unter denen Nik Freitas (übrigens als Solo-Künstler auf Conor’s Team Love Label gesignt) unter anderem mit dem Country-Blues „Big Black Nothing“ der stärkste ist. Die Stimme von Taylor Hollingsworth ist dann aber dermaßen austauschbar und schrecklich quäkig, dass sie bei seinen Einsätzen fast immer zum Skippen einlädt. Da wirkt Conor’s Stimme bei „Cabbage Town“ und dem nachdenklichen „Ten Women“ direkt erleichternd. Die Stimme von Jason Boesel (der auch bereits bei Bright Eyes an den Drums saß war) bei „Difference Is Time“ besitzt dann leider auch wenig Prägnanz und ist beim nächsten Stück auch schon wieder vergessen. Die Erkenntnis aus „Outer South“ bleibt dann nach 16 Stücken auch, selbst wenn Conor Oberst einmal inne hält, setzt er etwa mit dem Rocker „Roosevelt Room“ einen hohen Maßstab, mit dem sich nur wenige messen können. Auch wenn er sich mit seiner Mystic Valley Band auf „Outer South“ durch ein paar längere Passagen begibt, die Stücke mit ihm als Lead-Sänger sind dennoch absolut unkritisch und 9 Songs sind ja auch beinahe ein Album.

„Nikorette“ live

httpv://www.youtube.com/watch?v=GYiyoHouAHA

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Discussion

  1. […] Seitdem war Oberst natürlich nicht untätig, so veröffentlichte er nur kurze Zeit später “Outer South” mit der Mystic Valley Band, ein Album mit Monsters Of Folk, mit “The People’s […]

    Posted by Conor Oberst – “Hundreds of Ways” vom neuen Solo-Album “Upside Down Mountain” im Stream | WhiteTapes | März 26, 2014, 11:19 am

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