Rezensionen

Cloud Nothings – Life Without Sound

Cloud Nothings - Life Without Sound

Ein Leben ohne Geräusche, was für eine schreckliche Vorstellung für einen Musikliebhaber. Für einen tauben Menschen leider Realität, für Dylan Baldi aber gar nicht das, was er mit dem Titel des neuesten Cloud Nothings Albums ausdrücken will. Nachdem der Musiker nämlich auf den letzten beiden Cloud Nothings Alben „Attack On Memory“ und „Here and Nowhere Else“ die Klanggefilde Grunge, Punk und Indie-Rock mit verzerrten Gitarren und temporeichen Songs in ausgedehntem Maße erkundet hat, wollte er nun hinter den Sound blicken. So ist „Life Without Sound“ in einer gewissen Hinsicht sein bisher größtes Experiment, da er zusammen mit seiner Band versuchte die Lyrics und den Gesang als prägendes Element für ein Album zu nutzen. Im Kern geht es ihm darum „ein Gefühl zu beschreiben, dass im Leben etwas sei, das nicht richtig verständlich oder greifbar ist – so als würde der Sound oder der komplette Sinn fehlen“ sagt er in der Pressenotiz. Also eine eher nachdenkliche und recht individuelle Thematik, die aber auch irgendwann bei Cloud Nothings zu erwarten war, denn mit seinen 27 Jahren ist Dylan Baldi genau im richtigen Alter für Coming-of-Age Themen und leicht zynischen Umschreibungen, wie bei „Internal World“, das er mit den Worten „being yourself can be uncomfortable and even potentially dangerous at times“ umschreibt.

So viel erst einmal zum inhaltlichen, denn auch, wenn das Album auf den Titel „Life Without Sound“ hört, steht das Klangerlebnis natürlich nach wie vor im Vordergrund. Das führt Cloud Nothings dann ebenfalls in neue Gefilde. Der rotzig-schrammelige Grunge-, bzw. Indie-Rock mit dem gewissen LoFi-Charakter der Vorgänger hat nun einem Skatepoppigen, College-Punk-Sound Platz gemacht. Der Kern dreht sich dabei nach wie vor um klassischen Emo-Rock und Gitarrenmusik der 90er Jahre. Referenzen, wie Jimmy Eat World, American Football und Sleater Kinney sind allgegenwärtig und wirken nun eine Nummer größer, als zuvor. Das ist kein Zufall, denn erstmals nahmen sich Cloud Nothings ein ganzes Jahr Zeit, an ihren Songs zu feilen und spielten das Werk dann unter der Regie von Produzent John Goodsmanson ein, der schon Alben für Death Cab For Cutie, Blonde Redhead, Pavement, Nada Surf, Hot Hot Heat und Sleater Kinney produzierte und manchen davon damit auch auf’s nächste Level gebracht hat.

„Life Without Sound“ klingt dann auch so, als würden Cloud Nothings wirklich das nächste Level anstreben. Die Songs klingen durch strukturierter und filigraner geschliffen, die Hooks sitzen und die Riffs sind beinahe durchschaubar platziert. So abgedroschen dieses Urteil klingt, doch die glatt gezogenere Produktion, sowie der bisher poppigste Sound der Band, stehen Cloud Nothings leider bei weitem nicht so gut zu Gesicht, wie ihr früherer Garage-lastiger Sound, der Ausschläge in die verschiedensten Rock-Spielarten annahm. Da hilft der stärkere Fokus auf ausgefeiltere Gesangsmelodien, der für eine durchaus euphorische Note sorgt, die dem Werk einen gewissen Drive verleiht, leider nur kosmetisch und kann am Ende nicht über die schreiende Oberflächlichkeit hinwegtrösten. Auch die härteres Auswüchse der Platte, scheinen wie eine Art Ausgleich… das wirkt leider nicht vielseitig, sondern, als würden Cloud Nothings eben doch nicht hinter den neuen Klängen stehen. Vielleicht will die Band so ein bereiteres Publikum erreichen, reiht sich aber leider nur in farblose, 0815 Skatepunk-Bands ein. Ein Schicksal, das auch Paws durchmachten, sich in der Ecke aber wohl zu fühlen scheinen und das Konzept durchziehen.

Cloud Nothings auf Deutschland-Tour

06. März 2017, Hamburg – Knust
07. März 2017, Berlin – Bi Nuu
08. März 2017, München – Kranhalle
09. März 2017, Köln – Luxor

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