Rezensionen

Clara Luzia – The Ground Below

Seltsam, wenn ich ganz spontan versuche eine wirklich hörbare deutsche Solo-Künstlerin mit englischen Texten zu nennen, komme ich schnell ins Grübeln. Gerade fällt mir echt niemand ein. Gehe ich etwas weiter in den Süden, nach Österreich denke ich gleich an die großartige Soap&Skin, die uns dieses Jahr mit ihrem famosen Debüt-Album „Lovetune For Vacuum“ verzückte. Verdient erhielt sie dafür auch den österreichischen „Amadeus“-Musikpreis. Eine andere österreichische Künstlerin, die ebenfalls auf englische Texte setzt und auch den Preis schon abstauben konnte ist die dreißigjährige Clara Luzia, die im bürgerlichen Leben eigentlich Clara Humpel heißt und mit „The Ground Below“ bereits ihr drittes veröffentlicht.

Mit ihrer jüngeren Kollegin Anja Plaschg hat Clara natürlich wenig bis gar nichts gemeinsam und dennoch fallen beide in die Kategorie „hörbare deutschprachige weibliche Solo-Künstlerin mit englischen Texten“. Gut, die habe ich jetzt spontan erfunden, aber ich denke, ihr wisst worauf ich hinaus will. Auf „The Ground Below“ zeigt Clara Luzia einmal mehr ihr Gespür für einen guten Pop-Song. Der Einstieg ist dann allerdings mit der wenig abwechslungsreichen Up-Tempo Popnummer „Queen Of The Wolves“ etwas gewöhnungsbedürftig, auch „All I Wish For“ macht es einem da mit der trottenden Posaunen-Melodie nicht einfacher. Dafür entschädigt dann aber das hübsche „Faces“, das Clara Luzia zusammen mit Emma McGlynn einspielte. Stimmungsvolle Instrumentierung, schöner Sprechgesang und eine dichte Stimmung bilden das erste Highlight des Albums. Auf diesem guten Niveau setzt sich das Songwriting dann auch fort, „I Found A Stone On The Wayside“ ist wieder eine nette kleine Ballade, die, wie viele der Songs auf „The Ground Below“ eine tiefe Melancholie mit viel Romantik verbindet. Auch wenn die musikalischen Spielarten und Instrumentierungen mit Trompeten, Posaunen, Streichern, Akkordeen und vielem anderen gern mal ausladender werden, stehen Clara Luzia vor allem die ruhigeren Songs zu Gesicht, bei denen sie nur auf das Klavier, die Gitarre und eine Geige setzt. Trotz ein paar schwächerer Songs ist „The Ground Below“ doch ein Beispiel, an dem sich viele junge deutschsprachige Künstlerinnen orientieren sollten um zu lernen, wie gute Pop-Musik mit englischen Texten funktioniert.

Rating: ★★★½☆
Clara Luzia

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