Rezensionen

City And Colour – Little Hell

Es ist eigentlich immer schön, zu sehen, dass in Songwritern aus dem Hardcore Genre, nicht nur grunzende Gitarrenriff-Proleten stecken, sondern es auch die Genre-Vertreter gibt, die sich abseits ihrer Hauptprojekte mit sensiblen Lyrics und sanften Tönen von ihrer sanften Seite zeigen. Chuck Ragan von Hot Water Music, Frank Turner von Million Dead und auch Keith Caputo, Sänger von Life Of Agony gehört zu dieser Gattung. Ein anderer Vertreter, allerdings ohne die transsexuelle Neigung, ist der Kanadier Dallas Green von Alexisonfire, der seit 2005 unter dem Name City And Colour solo unterwegs ist.

Mit „Little Hell“ veröffentlicht er damit nun auch sein bereits drittes Album und versucht damit an den Erfolg des 2008er „Bring Me Your Love“ anzuknüpfen. Ausverkaufte Konzerthallen in Deutschland scheinen dafür zu sprechen, dass dieses Vorhaben gelingen dürfte. Die Musik auf „Little Hell“ auch. Hier baut er seine Songs um das auf, was bei Alexisonfire wohl alle Fans verschrecken dürfte, nämlich viel Gefühl. Immer ohne Schmalz, dafür glaubwürdig vorgetragen in ruhigen Stücken, bei denen er stimmlich manchmal an Lenny Kravitz erinnert, aber musikalisch ganz eindeutig im Folk und Country. Auch ganz gern mal angereichert um klassische Elemente, wie ein Steel-Pedal. Dabei sind wohl weder die Zutaten, die Instrumentierung und der Vortrag weder neu, noch originell, da es da draußen viel Songwriter-Pop gibt, der ähnlich gemacht ist. Aber Dallas Green nimmt man das Bild vom einsamen Songwriter einfach ab, der allein in seiner Wohnung Songs sitzt und Songs schreibt, die direkt seiner geschundenen Seele entspringen. Denn genau diese Nähe transportiert er auf „Little Hell“ und macht das Album somit zu einem guten Beispiel dafür, warum Mitglieder von Hardcore- und Punk-Bands gern auch einmal ihre sensible Seite offenlegen sollten.

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