Rezensionen

Cigarettes After Sex – „Cigarettes After Sex“ (s/t)

Cigarettes After Sex

Dass von der Gründung einer Band, bis zum ersten Release einige Zeit vergehen kann, ist ja ganz normal. So wird nach und nach die erste Single, dann die erste EP und nach ein paar Jahren das erste Album gefeiert. Greg Gonzalez hat es mit seinem Projekt Cigarettes After Sex geschafft, diesen Prozess auf neun Jahre auszudehnen und dennoch in dieser Zeit das Kunststück vollbracht, nie in Vergessenheit zu geraten. So sind inzwischen fünf Jahre seit der mit vier Tracks gefüllten EP „I“ vergangen. Eine Zeitspanne, nach der es Newcomer sonst schwer haben, an einen eventuellen Anfangshype anzuschließen. Cigarettes After Sex konnten aber genau dort wieder anknüpfen und sammelten in dieser Zeit weit über 300.000 Facebook-Fans und über 10 Millionen Wiedergaben ihrer Single „Nothing’s Gonna Hurt You Baby“ allein bei Spotify. Dazu kommen noch acht weitere Songs, mit denen sie die Marke von mindestens einer Million Plays knackten. Eine schon faszinierende Entwicklung in einer Zeit, in der es Musikfans häufig nicht schnell genug gehen kann. Das es für Cigarettes After Sex so gut klappt, liegt vielleicht auch an der Musik die sie machen, die ist nämlich, ebenso wie der Releaserhythmus der Band, langsam.

Damit ist keinesfalls gemeint, dass Cigarettes After Sex auf ihrem selbstbetitelten Debüt langweilige Songs bieten, die nicht vorankommen. Vielmehr bieten sie ganz grob gesagt Slowcore mit hohem Ambient Anteil, der sich feinfühlig entwickelt und immer Raum zur Entfaltung hat. Greg Gonzalez setzt dabei auf meist spärliche Instrumentierung und fein gesponnene Spannungsbögen. Das ergibt hypnotische Stücke, die vor allem vom schmeichelnden, androgynen Gesang des Musikers leben. Dazu gibt es noch hallende Gitarren und hier und da Tupfer von Percussions und Bass, die zu cineastischen Klangwelten ausgedehnt werden, welche wiederum gerne mal an die Grenze von fünf Minuten kratzen. Das bleibt nicht immer alles direkt im Ohr hängen, doch bieten diese neblig, verschwommenen, manchmal in den Dream-Pop tändelnden Kleinode, ein gehöriges Suchtpotential, das den Hörer in einen ausgeglichenen Zustand versetzt. So entfaltet sich das Album zwar langsam, dann aber mit nachhaltiger Wirkung, ähnlich hoffentlich, wie die Karriere von Cigarettes After Sex.

Cigarettes After Sex auf Deutschland-Tour

03. August 2017, Luhmühlen – A Summer’s Tale
06. November 2017, Köln – Kulturkirche
06. Dezember 2017, Berlin – Astra


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