Rezensionen

Chelsy – Sweet Medicine

Chelsy, das ist nicht nur der Name der Ex-Freundin von Englands Vorzeigeprinz Harry, sondern auch eine junge Band aus Mülheim. Nein, nicht Köln-Mülheim, sondern Mülheim an der Ruhr. Ein beschauliches Städtchen mitten im Ruhrgebiet, in das man eigentlich nur kommt, wenn man sich auf dem Weg nach Oberhausen irgendwie verfahren hat. Das ist eigentlich auch schon das größte Highlight an der Stadt, also, dass Oberhausen direkt nebenan ist. Aber das macht ja nichts, wenn die Heimat wenig zu bieten hat bedient man sich musikalisch eben woanders. Ist auch gut so, denn Bergmannskapellen mit Indie verknüpft klingt für den ersten Moment spannend, dürfte aber spätestens an der Umsetzung scheitern.

Mit „Sweet Medicine“ präsentieren die drei Jungs von Chelsy nun jedenfalls ihr bereits zweites Album. Das haben sie größtenteils mit Freunden in Köln, Düsseldorf und Stockholm aufgenommen. Instrumentiert haben Chelsy ihre Songs bewusst sparsam, dafür aber nicht mit Gefühl gegeizt. Das zeigt sich schon im Opener „Who Needs Words“, im Refrain schreit sich Sänger Martin Arlo Kroll die Stimmbänder wund und trägt in den Strophen ganz sanft den Text vor. Das getragene Stück wirkt, als hätten Slut sich an einer Folk-Ballade versucht, was gar nicht einmal schlecht ist. So dürften sich Chelsy durch die weiteren Stücke spielen. In „So My World“ nehmen sie dann aber schon etwas Tempo auf und verlieren sich dabei in etwas sicheren Indie-Pop-Rhythmen. Das ist nett, plätschert aber doch etwas zu sehr. Mit dem folgenden „Paris, Montreal or Rome“ beweisen sie dann aber sogleich, dass ihnen Mid-Tempo auch durchaus liegt. Eine relativ quirlige Melodie, vergnügte Handclaps und das richtige Gespür für Tempowechsel machen das Lied zu einem hübschen Song, zu dem man gerne mal seinen Hintern wackeln lässt. Bei „Monique“ holen Chelsy dann die 60ies Pop-Keule raus, das will so recht nicht passen und lässt die Nummer schnell ins Belanglose driften. Macht aber nichts, denn das folgende „For My Friends“ zeigt die wahre stärke der Band in zurückgefahrenen Arrangements. Nur eine Gitarre und sanfter Gesang machen das Stück zu einer berührenden Ballade. Der Rest wechselt dann wieder zwischen mal gut gelungenem und mal nicht so überzeugenden Mid-Tempo-Nummern, bevor beinahe ganz am Ende mit „First LPs“ wieder ein echtes Highlight steht. Insgesamt überwiegen bei den Mülheimern dann zum Glück auch die positiven Tendenzen und machen „Sweet Medicine“ zu einem größtenteils gelungenen Vertreter deutschen „Indie-Folks“.

Rating: ★★★½☆
Chelsy
Tour-Daten:

05. Februar, Kamp-Lintfort, Ka-Liber
13. Februar, Essen, Zeche Zollverein
26. März, Düsseldorf, Pretty Vacant


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