Rezensionen

Charlie Cunningham – Lines

Charlie Cunningham – Lines

Auch, wenn „Lines“ das erste Album des Wahl-Londoners Charlie Cunningham ist, kann man den jungen Musiker eigentlich nicht als Newcomer bezeichnen. Dafür hat er mit seiner dreiteiligen EP-Serie aus den Vorjahren („Outside Things“, „Breather“ und „Heights“), Millionen Plays bei Spotify und zahlreichen ausverkauften Tourneen und gefeierten Festival-Auftritten in Deutschland, inzwischen eine zu große Gefolgschaft. Nicht jeder Musiker spielt beispielsweise direkt nach dem Release seines Debüts als Headliner im Konzerthaus Dortmund. Doch was macht die Begeisterung für einen Musiker aus, der eigentlich nur mit Gitarre bewaffnet seine Songs vorträgt? Bei Charlie Cunningham ist es eindeutig seine ganz eigene Art Gitarre zu spielen, bei der er die Einflüsse seines Studiums in der Flamenco-Hochburg Sevilla, mit Nick Drake Finger-Picking und typischem Singer-Songwriter Sound vermischt. Kein Wunder, dass der Schwede José González, der ja ebenfalls einen ähnlichen Spielstil besitzt, auf Charlie Cunningham aufmerksam wurde und ihn für sein Debüt „Lines“ bei seinhem Label Dumont Dumont unter Vertrag nahm. Aber gut, ein wirkliches Risiko ging er nach dem Erfolg von Charlie’s bisherigen drei EP’s damit ja auch nicht ein.

Dem Stil seiner EP’s und der zahlreichen, viel geklickten Session-Videos folgend, bestreitet Charlie Cunningham dann auch den Großteil seines Debüts allein. Hier und da gibt es dezent eingesetzte elektronische Tupfer, Synthie-Anklänge und auch mal ein Cello. Den Anfang macht er – passenderweise – mit „An Opening“. Zu perkussivem Gitarrenspiel singt er in stimmlicher Nähe zu Chris Martin (inklusive dessen Neigung zum leiern) gefühlvoll und voller Wärme. Gegen Ende lassen die erwähnten Synthies das minimalistische Stück ein wenig anschwellen und erzeugen eine Sogwirkung, die den Hörer tief in die Klanglandschaften des Briten ziehen. Dort sieht man dann vor allem Weite. Wenige Erhebungen, oder gar Gefälle. Kleine Bäche aus Pianotupfern, leichten Flamenco-Sounds und ein wenig hallendem Gesang durchfließen die Ebenen und dazu erzählt Charlie Cunningham.

An mancher Stelle fühlt sich das dann auch ein wenig einsam an, wie beim reduzierten „Lights Off“, das nur gegen Ende ein wenig überzeugen kann, ansonsten aber eher so dahin plätschert. Dagegen steht zum Beispiel das Stück „Minimum“, das neben dem filigranen Gitarrenspiel des Künstlers auch mit ein wenig Virtuosität und Besonderheiten im ansonsten eher wenig abwechslungsreichen Gesangsstil von Charlie Cunningham zu glänzen weiß. Mit der leicht halligen Pianoballade „How Much“ gelingt es dem Künstler dann sogar eine Prise Intimität in das Album einzustreuen, die in weiten, manchmal sehr sterilen, Klanglandschaften zu häufig verloren geht. Das Stück „While You Are Young“ zeigt sich am Ende als gefühlvolle Ode an die Jugend, die einen wohlig warmen Abschluss für ein zwar eher durchwachsenes, aber dennoch zu empfehlendes Debüt schafft, das live sicher seine ganz eigene Wirkung entfaltet und so dann doch die Freude, auf die kommenden Tour weckt.

Charlie Cunningham auf Deutschland-Tour

24. März 2017, Neustadt am Rübenberge – Schloss Landestrost
25. März 2017, Dortmund – Konzerthaus Dortmund
26. März 2017, Hamburg – Kampnagel
27. März 2017, Berlin – Kammermusiksaal Philharmonie
29. März 2017, Münster – Jugendkirche Effata
30. März 2017, Köln – Kulturkirche
1. April 2017, Frankfurt – Heiliggeistkirche
2. April 2017, Mannheim – Kino Atlantis
3. April 2017, München – Carl-Orff-Saal
9. April 2017, Stuttgart – Theaterhaus

Facebook // Website // Label

Discussion

Comments are closed.

Archive

Wir präsentieren: Haux - auf Deutschland-Tour