Rezensionen

Caribou – Swim

Kanada, ein Land, in dem jeder Musiker in mindestens 10 anderen Bands aus jeweils 10 Mitgliedern spielt. Kollektiv ist hier das Zauberwort, so gibt es ein weit gespanntes Netz aus der kennt den und hat schon mit jenem zusammen gearbeitet, weil jener diesen kennt, der mit dem mal was gemacht hat. Dabei heraus kommt dann meist Indie-Rock mit melancholischer, häufig folkiger Note, gern auch mal mit tanzbaren, oder sehr chaotischen rockigen Ansätzen. Ausnahmen bestätigen natürlich diese Regel und so ist es keine Überraschung, dass der eigenbrötlerische Sound-Tüftler und Mathematik-Professor Dan Snaith, alias Manitoba, alias Caribou 2007 ganz ohne Kollektiv im Rücken und mit rein elektronischen Klängen den Polaris Prize mit seinem Album „Andorra“ gewinnen konnte.

Mit „Swim“ folgt nun drei Jahre später der Nachfolger zum viel umjubelten Album und Dan Snaith scheint ganz allein wieder alles richtig gemacht zu haben. Gut, Luke LaLonde von den Born Ruffians hat ihn bei „Jamelia“ unterstützt, da hören die Kollabrationen auch auf. Das Grundprinzip sind wieder schwurbelnde Beats, eigenwillige Synthie-Klänge und Hallgesang. Das schafft eine herrlich träumerische, melancholische Stimmung. Das muss man mit elektronischen Mitteln erst einmal schaffen, eine Definition des Sounds ist dadurch natürlich nicht möglich, nennen wir es einmal Dream-Rave. Mit „Odessa“ hat Dan Snaith direkt einen der besten Tracks an den Start gestellt, der vielschichtige Klang nimmt einen gleich gefangen, die Beats verleihen dem Song seinen ganz eigenen elektronischen Herzschlag, ohne in die Wumper-Techno-Ecke zu driften. Die Beats dienen eher dem organischen Gesamtsound und bilden nie das Kernelement des Klangs. So lässt sich „Swim“ am besten als Elektro-Album für Leute, die nichts mit Elektro anfangen können, bezeichnen. Und als weiteren Beleg für die Einzigartigkeit in Dan Snaith’s Herangehensweise an Musik.

Rating: ★★★★☆

Caribou

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