Rezensionen

Bright Eyes – The People’s Key

Vier Jahre sind nun schon ohne ein Album von Conor Oberst’s Bright Eyes vergangen. Vier Jahre, in denen Fans des ewigen Songwriter-Wunderkinds allerdings nicht ohne Lebenszeichen des jungen Mannes aus Omaha auskommen mussten. 2008, also ein Jahr nach „Cassadaga“ veröffentlichte er ein selbstbetiteltes Soloalbum und damit das erste Album in den nun schon fast 16 Jahren, in denen er Alben veröffentlicht, auf dem sein Name stand. Nur ein Jahr später kam dann „Outer South“, nun als Conor Oberst And The Mystic Valley Band, in der gleichen Besetzung, in der er auch das Soloalbum aufnahm.

2009 schien er besonders von der Muse geküsst und veröffentlichte nach „Outer South“ auch noch mit seinem Bright Eyes Kumpel und Saddle Creek Produzentenlegende Mike Mogis, M. Ward und Yim Yames ein Album als Monsters Of Folk. Das hießt dann auch direkt „Monsters Of Folk“. Die Lücke, die er mit der Bright Eyes Pause hinterlassen hat, konnte aber höchstens noch das erste Soloalbum schließen, die anderen Releases qualifizierten sich eher als Füllmaterial. Kurz darauf aber immerhin die Meldung, dass 2010 ein neues Bright Eyes Album erscheinen soll. Allerdings begleitet vom Hinweis, das es auch das letzte Album des Projekts sein soll.

2010 kam und ging auch wieder und erst gegen Jahresende ein Zeichen von Bright Eyes, nämlich der erste Song „Shell Games“, den es kurz vor Weihnachten als Gratis-Download gab. Begleitet von der Meldung, dass im Februar endlich „The People’s Key“, das neue Album von Bright Eyes erscheinen würde. Genau genommen am 15. Februar, also pünktlich zum 31. Geburtstag von Conor Oberst. Das Stück beginnt wie ein ganz normales Bright Eyes Stück mit Conor’s Stimme im Mittelpunkt und einem verspielten Klavier. Bis dann fröhliche Gitarren einsetzen und das Versprechen von Conor wahr machen, dass „The People’s Key“ das „bislang rockigste“ Album der Band werden könnte.

Den Start ins Album markiert allerdings „Firewall“. Ein sieben minütiges Stück, das ganz, wie es sich für Bright Eyes gehört nicht direkt mit Musik einsteigt, sondern in diesem Fall mit einem Monolog beginnt. Eine Stimme, die an Boris Karloff erinnert erzählt vom Universum und der Entstehung des Lebens und dem Unterschied zwischen Gut und Böse. Begleitet von dunklen Orgelsounds, die irgendwann verblassen und spröden Gitarrensounds Platz machen. Hinzu gesellt sich die Stimme von Conor Oberst. Der singt mit ruhiger Stimme zur düsteren Instrumentierung aus Gitarre, Drums und Geigen. Nur im Refrain nimmt der Song ein wenig Fahrt auf, erinnert aber sonst an Stoner Rock in bester Grateful Dead Tradition. Es folgt „Shell Games“ und anschließend mit „Jejune Stars“ noch ein fröhlich rockiges Stück, das mit lauten Gitarren beginnt und im Refrain sogar ein Keyboard zu bieten hat. Ein Stück, das ungewöhnlich catchy für Bright Eyes ist und eine ganz neue Seite des Projekts zeigt.

„Approximate Sunlight“ nimmt das Tempo dann aber wieder raus, gibt sich verschlossen, marschiert mit schnaufend stampfenden Drums voran. Conor singt beinahe abwesend und kreiert mit brüchiger Stimme und spröden Sounds eine Stimmung, die an die frühen Zeiten von Bright Eyes erinnert. Will man einen Vergleich mit früheren Alben der Band suchen, bieten sich allerdings mit „Cassadaga“ und „Digital Ash In A Digital Urn“  allerdings eher Alben aus der jüngeren Vergangenheit an. Immer wieder gibt es elektronische Spielereien, gepaart mit dem besinnlichen Grundsound von „Cassadaga“ und immer wieder rockigen Tönen. Etwa in „Triple Spiral“, das fröhlich voranprescht und sich in knapp vier Minuten als 1A-Folk-Rock-Song entpuppt.

Bevor man „The People’s Key“ allerdings so recht greifen kann, sind die knapp 45 Minuten aber schon wieder vorbei. Was hängen bleibt ist ein dichtes Album, das alle Stärken der Bright Eyes verbindet. Abwechslungsreiches Songwriting gepaart mit starken Melodien und großem Ideenreichtum, mit dem Bright Eyes nie auf Nummer sicher gehen und sich in einer Zeit, in der klassischer Folk dank Mumford & Sons und den Fleet Foxes eine Renaissance erlebt, lieber rockigeren Tönen zuwenden. Begleitet wieder von Bright Eyes typischen, nicht direkt zu entschlüsselnden Lyrics. Die Themeneinflüsse reichen von Scientology über biblische Mythologie, Technologie und Science Fiction und dürften dem Hörer neben viel musikalischer Abwechslung auch textlich genug Futter geben.

Sollte „The People’s Key“ wirklich das letzte Bright Eyes Album bleiben, fällt der Abschied umso schwerer, denn dieses Album ist nach vier Jahren mit teilweise eher durchschnittlichen Releases von Conor Oberst wieder einmal ein toller Beleg für das große Talent des jungen Mannes und die kreative Kraft des Bright Eyes Kerntrios Conor Oberst, Mike Mogis und Nate Walcott.

Rating: ★★★★★
Bright Eyes

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Discussion

  1. […] wieder zwei Jahre her ist, dass Conor Oberst gemeinsam mit Mike Mogis das letzte Bright Eyes Album “The People’s Key” veröffentlichte, war der 34-jährige Amerikaner in der Zwischenzeit nicht wirklich untätig. So […]

    Posted by Conor Oberst – neuer Song “Governor’s Ball” im Stream | WhiteTapes | April 2, 2014, 9:41 am

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