Rezensionen

Bon Iver – "Bon Iver" (s/t)

Mehr als drei Jahre ist es jetzt her, dass Justin Vernon sich nach dem Ende einer Beziehung in die Wälder Wisconsins zurückzog und in einer einsamen Waldhütte das gleichzeitig traurige, wie entrückte erste Bon Iver Album „For Emma, Forever Ago“ aufnahm. Ein Album, das in jeder Sekunde die Abgeschiedenheit und Weite des Orts trug an dem es entstand. Schnell machte die Geschichte dieses amerikanischen Einsiedlers die Runde und bescherte Justin Vernon eine riesige Fangemeinde und sogar Gold in England. Die letzten drei Jahr verbrachte Justin natürlich vorrangig auf Tour, nutzte die Zeit aber auch für Arbeiten mit seinem Projekt Volcano Choir, Gayngs und sogar mit Kanye West.

Parallel zog es ihn aber immer wieder zurück in seine Heimat, wo er etwas außerhalb mit seinem Bruder eine ehemalige Tierklinik in ein Aufnahmestudio verwandelte. Die Pressenotiz will es, dass die beiden tagsüber am Studio und Abends an neuen Songs arbeiteten. So hat auch das zweite Album, das Justin Vernon als Bon Iver aufgenommen hat, wieder eine hübsche Entstehungsgeschichte. Ein Konzept hat Justin Vernon dann gleich auch noch im Album verpackt. Fast alle Songs tragen Namen von Städten, alle dienen Justin als Durchgangsstation zu seiner Heimat. Den Songs hört man gleich an, dass im neuen Studio anscheinend deutlich mehr Instrumente Platz gefunden haben, als noch in seiner Waldhütte vor drei Jahren. Man hört mal Trompeten, Streicher, ein Marimbaphon und allerhand Geklimper. Der Grundsound, der den Charme der verträumten Bon Iver Stücke ausmacht ist aber erhalten geblieben. Viel Hall gibt den Songs eine große Weite, in der sich seine Stimme und die Instrumente zu voller Größe entfalten können. Die Anzahl der Instrumente und die Größe mancher Melodien lassen das Album auch deutlich größer wirken als noch das Debüt. Eine logische Entwicklung, schließlich war Justin Vernon nach dem Release des Debüts unentwegt auf Tour mit teilweise auch größeren Bands. Interessanterweise macht gerade diese Tatsache die Songs unzugänglicher, als das Debüt. Die Kombination vieler Instrumente zu vielen mehrschichtigen Melodien führt aber auch dazu, dass es mit jedem Hördurchgang neues zu entdecken gibt und sich Songs, wie „Perth“ und „Calgary“ nach und nach zu ähnlichen Hit-Kandidaten, wie „Re:Stacks“, „Flume“, oder „Skinny Love“ mausern. Bon Iver ist somit nun von einem Soloprojekt zu einer Band gewachsen. Eine Entwicklung, die dem Sound von Bon Iver gut tat und die Neugier auf das steigert, was da noch so kommen mag.

Rating: ★★★★★
Bon Iver
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